Es geht um das Reich Gottes

Interview mit Sr. Ulrike M. Brand und Br. Martin Lütticke zum Synodalen Weg

Bild: synodaler Weg
veröffentlicht am 25.03.2021
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Erzbistum. POK – hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Paderborner Ordenskonferenz, zu der die Oberinnen und Oberen der Ordenshäuser gehören, die im Erzbistum vertreten sind. An diesem Samstag befasst sich die POK auf einem (digitalen) Studientag mit dem Synodalen Weg. Initiiert hat diesen Studientag die Arbeitsgemeinschaft der POK, zu der acht Ordensleute gehören. Mit zwei von ihnen haben wir vorab gesprochen: mit dem Franziskaner Br. Martin Lütticke aus Dortmund und der Augustiner Chorfrau Sr. Ulrike Brand aus Paderborn. 

Bruder Martin, Sie sind Priester. Warum ist die Anrede nicht Pater Martin?

Br. Martin: Früher gab es die klassische Zweiteilung. Die Patres waren oben und die Brüder waren unten. Im Zuge der Neubesinnung des franziskanischen Charismas in den  1960er-, 1970er-Jahren ist uns klar geworden, dass das wahrscheinlich nicht im Sinne des heiligen Franziskus gewesen ist. Ein Kennzeichen des franziskanischen Ordens ist vielmehr, dass Leute aus allen gesellschaftlichen Gruppierungen und Schichten als Brüder unter Brüdern gelebt haben. Eine Möglichkeit, das auszudrücken, ist die gemeinsame Anrede Bruder.

Hat sich das Miteinander dadurch im Orden verändert?

Br. Martin: Ich habe schon den Eindruck, dass es gleichberechtigter geworden ist und wir verschiedene Charismen besser wertschätzen können. Es ist nicht Aufgabe der Brüder, für die Patres das Leben zu organisieren. Jeder Bruder soll heute eine wertvolle Aufgabe haben. 

Sr. Ulrike, gab es das bei den Frauenorden auch?

Sr. Ulrike: Ja, wir hatten früher die Laienschwestern und die Chorschwestern. Die Chorschwestern, die wurden „Mutter“ genannt, die Laienschwestern „Schwestern“. Früher war es so, dass die jüngste Chorpostulantin einen „höheren Rang“ hatte als die älteste Laien schwester, da dreht sich einem alles um, wenn man sich das vorstellt. Das ist aber nach dem Zweiten Vatikanum aufgehoben worden, seitdem sind alle Schwestern Schwestern. 

Dieses Gefälle ist ja eine Erscheinungsform des Klerikalismus, um den es auch beim Synodalen Weg geht. Die Paderborner Ordensleute befassen sich bei einem Studientag mit dem syno dalen Weg. Warum?

Sr. Ulrike: Weil wir Mitglied der Kirche sind, und was in Kirche passiert, geht uns alle an, auch uns Ordenschristen. Wir wollen mitgestalten, auch vor Ort. Manchmal haben wir den Eindruck, dass die Ordensleute in der Kirche ein bisschen vergessen werden. 

Aber in der Öffentlichkeit sind es doch besonders Ordensleute, die für Reformen in der Kirche eintreten, Sr. Philippa Rath, Sr. Katharina Kluitmann oder auch Priorin Irene Gassmann aus der Schweiz. Und sie sind geradezu aufmüpfig, jedenfalls stehen sie nicht auf der Bremse. Ist das Zufall?

Sr. Ulrike: Ich glaube nicht, dass es Zufall ist. Denn wir Ordens christen wollen ja immer auch auf der Höhe der Zeit sein und haben da eine gute Möglichkeit, uns entsprechend einzubringen.

Br. Martin: „Aufmüpfig“ empfinde ich als Kompliment. Von der Tendenz her sind wir tatsächlich nicht diejenigen, die auf der Bremse stehen, sondern im Gegenteil diejenigen, die versuchen, Prozesse und Reformen voranzutreiben. Wir tun das in einer großen Treue zur Kirche und als selbstverständlicher Teil der Kirche. Bei uns intern ist die Stimmung nicht so: „Wenn da jetzt nix passiert, dann treten wir alle aus.“ Wir engagieren uns ganz bewusst, ohne zu polarisieren oder die Fronten zu verhärten. Wir sehen unsere Aufgabe darin, zusammenzuführen und synodal, also miteinander unterwegs zu sein. Allerdings tun wir das durchaus in der großen Hoffnung auf Reformschritte. Das würde ich mir noch ein bisschen mehr wünschen, auch in der Freiheit gegenüber kirchlichen Strukturen, die wir als Ordensleute haben und gut ausnutzen könnten. 

Eines der Themen des Synodalen Weges ist „Frauen in Diensten und Ämtern“. Das müsste die Augustiner Chorfrauen doch besonders interessieren, oder? 

Sr. Ulrike: Wir diskutieren schon sehr darüber, welche Stellung Frauen überhaupt haben. Wir Chorfrauen sind sicher nicht diejenigen, die jetzt wer weiß was Revolutionäres, Neues antreiben wollen. Aber wir möchten daran mitwirken, dass es in und mit der Kirche gut weitergeht.

Bruder Martin, welches Thema des Synodalen Weges betrifft Sie besonders? 

Br. Martin: Im Grunde alle, aber für mich persönlich ist tatsächlich auch das Thema Frauen in der Kirche ein sehr zentrales Thema, weil ich glaube, die Kirche vergibt sich sehr viele Möglichkeiten. Natürlich wird nicht alles besser, wenn wir Priesterinnen hätten, aber gerade in den Frauengemeinschaften gibt es einfach viel Potenzial an geistlichen Leitungsfähigkeiten. Ich kann weder theologisch noch pastoral nachvollziehen, dass wir in der Kirche auf dieses Potenzial verzichten wollen. Wenn der Heilige Geist derjenige ist, der Menschen zum Priester beruft, dann wird er schon die Richtigen berufen. Und wenn darunter viele Frauen wahr sind, dann sollen sie auch geweiht werden. Wenn der Heilige Geist sagt „Das ist nichts für die Frauen“, dann wird der Heilige Geist keine berufen und dann bleiben wir Männer alleine. Das ist jetzt etwas lapidar gesagt, aber ich meine es durchaus ernst.

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