Was das Dorf zusammenhält

Teenager aus Oberkirchen porträtieren ihre „Helden des Alltags“ in einem aktuellen Kalender

Johannes Hütten und Meinolf Mergheim (v.l.) werden auf dem Mai-Kalenderblatt inmitten ihres geliebten Waldes gezeigt. Foto: Jennifer Verzellesi
veröffentlicht am 12.03.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Schmallenberg-Oberkirchen. Gebannt lauschen die Mädchen der 92-jährigen Josefa Droste. Sie berichtet, wie das damals war, als sie groß wurde, wie sie – ganz unüblich für die Frauen der damaligen Zeit – die Initiative ergriff und einen Turnverein für Frauen gründete, den es heute noch gibt. Es sei wichtig, sich selbst treu zu bleiben, sagt sie. Und sie gibt den fünf Mädchen im Teenageralter, die sich mit ihr verabredet haben, einen durchaus brisanten Rat mit auf den Weg: „Macht das, was euch Spaß macht, und hört nicht auf andere.“ 

Wichtig, sich selbst treu zu bleiben

Der Ratschlag von Josefa Droste wird spätestens im September in vielen Familien im Schmallenberger Ortsteil Oberkirchen gelesen und diskutiert werden. Denn ein Porträt der 92- Jährigen, bei dem sie ein Foto der Gründungsgesellschaft „ihres“ Turnvereines in der Hand hält, ziert das September- Blatt eines eigens für Oberkirchen produzierten Kalenders. Die 14-jährige Mia Schütte hat das Foto bei dem Gesprächstermin gemacht. 

„Die Helden des Alltags“ aus dem 840 Einwohner zählenden Oberkirchen werden in dem Kalender porträtiert. „Wir wollten die Menschen zeigen, die oft nicht wahrgenommen werden, die aber so wichtig für das Dorfleben sind“, erklärt Angelika Kers ting von der Caritas- Konferenz Oberkirchen. Als im Herbst die traditionelle Warentauschbörse in der örtlichen Schützenhalle coronabedingt nicht stattfinden konnte, überlegten sie und ihre Mitstreiterinnen von der Caritas, welches soziale Projekt sie stattdessen durchführen könnten. 

Ehrenamtliche in den Mittelpunkt rücken

Für die Kinder wollten sie etwas machen, außerdem die für das Gemeinschaftsleben so wichtigen Ehrenamtlichen in den Mittelpunkt rücken. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Jugendkunstschule entstand so ein Foto- und Kalenderprojekt. Neun Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren nahmen teil, erhielten von der Jugendkunstschule Leihkameras und wurden vom Fotografen Torsten Ahlers aus Menden in die Techniken und Geheimnisse der Fotografie eingeweiht. 

Und dann ging es ans Fotografieren. In zwei Teams besuchten die Mädchen diejenigen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen: Frauen, die Ferienfreizeiten planen oder sich um Kirche, Kapelle und Messdiener kümmern; Männer, die den Friedhof und die Schützenhalle in Schuss halten, Nistkästen säubern oder Waldwege wieder instand setzen. Etwa Meinolf Mergheim, den man auf Spaziergängen rund um Oberkirchen im Wald treffen kann, wie er Bänke repariert und alte Wege wieder freilegt. 

Im Wald unterwegs 

Was der 82-Jährige über den Wald und seine Flora und Fauna zu erzählen weiß, fasziniert die Zehn- bis Zwölfjährigen. Jennifer Verzellesi (10) gelingt dabei ein Foto für das Mai- Kalenderblatt, das den geselligen Meinolf Mergheim inmitten seines geliebten Waldes zeigt, im Gespräch mit Johannes Hütten, der seit Jahren in und um  Oberkirchen die Nistkästen säubert und nun einen Nachfolger sucht.  

Nach einem anstrengenden Tag mit vielen Terminen überall in Oberkirchen und Umgebung sind schließlich alle Fotos im Kasten. „Das war ein toller Tag, auch für uns Caritas- Mitarbeiterinnen“, sagt Angelika Kersting. Die Mädchen sind erschöpft, aber glücklich. Gemeinsam überlegen sie bei einem gesonderten Treffen mit Torsten Ahlers, welche Fotos es in den Kalender schaffen sollen. 

Über 80-jährige bekommen Kalender geschenkt

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der gedruckte Kalender war denn auch ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk nicht nur für die Akteure, sondern auch für die Senioren und andere Inte ressierte im Ort. „Alle über 80 erhalten jedes Jahr von der Caritas- Konferenz ein Geschenk“, erklärt Angelika Kersting. Da kam der Kalender wie gerufen. Er begleitet die Dorfgemeinschaft nun das ganze Jahr hindurch. „Das ist eine total schöne Sache für den Ort. Das werden wir bestimmt noch mal machen.“ 

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