Auflösung nach 111 Jahren

Die kfd St. Johannes Baptist Attendorn findet keine Nachfolgerinnen für den Vorstand

Attendorns Pfarrer Andreas Neuser bedankte sich bei der bisherigen kfd-Vorsitzenden von St.Johannes Baptist, Annette Heuel, stellvertretend für das gesamte Vorstandsteam sowie die 25 Helferinnen. Foto: Lüttecke
veröffentlicht am 05.03.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Attendorn. Als Mütterverein im Jahr 1910 gegründet, war die katholische Frauengemeinschaft (kfd) St. Johannes Baptist insgesamt 111 Jahre in Attendorn für die Belange der Frauen vor Ort tätig. Doch zuletzt war „Sand im Getriebe“, denn es fanden sich keine jüngeren Mitglieder, die die Vorstandsarbeit übernahmen. Nun wird die kfd Attendorn aufgelöst.

Nachdem die Mitglieder mit großer Mehrheit für die Auflösung gestimmt hatten, beantragte die Vorsitzende Annette Heuel schweren Herzens beim Diözesanverband Paderborn die Auflösung der kfd- Ortsgruppe zum 31. März dieses Jahres.

Kreative Vakanz brachte keine Wende

Auf der letzten Mitgliederversammlung vor dem Corona- Ausbruch hatte sich kein neuer Vorstand gefunden. Deshalb ging man zunächst in ein Jahr der „kreativen Vakanz“. Doch auch das brachte nicht die Wende. Die Gesellschaft habe sich geändert, Frauen gingen nach erfülltem Kinderwunsch wieder in den Beruf und das Ehrenamt finde im Terminplaner keinen Platz mehr, erklärt Annette Heuel. „Sich für Verbandsarbeit über Jahre zu binden, ist eine starke Verantwortung und da windet man sich.“ Punktuell sei die Mitarbeit zahlreicher Frauen aber kein Problem, sagt sie. 

Vieles findet weiter statt

„Die Frauen gestalten weiterhin Kirche in Attendorn“, drückt Pfarrer Andreas Neuser seine Zuversicht aus, dass auch für die Zukunft eine Lösung gefunden werden kann. Gleichzeitig bedankte er sich für die engagierte Arbeit beim bisherigen kfd- Vorstand und den 25 Helferinnen, die den Kontakt zu den knapp 300 Mitgliedern gehalten haben. Gemeindereferentin Pe tra Trudewind übernimmt für die Kirchengemeinde jetzt die Koordination, sodass vieles weiter stattfinden kann, so etwa der Kreuzweg für Frauen, die ewige Anbetung, Besinnungsnachmittage, die Einstimmung in den Advent, Lieder- und Gedichtnachmittage zu den Jahreszeiten, das Roratefrühstück und die Teilnahme am ökumenischen Weltgebetstag der Frauen. In Klärung ist noch, ob die traditionelle große Veranstaltung zum Frauenkarneval ab dem kommenden Jahr weiterhin in der Stadthalle stattfinden wird.

Mitgliederzeitschrift auf dem Postweg

Mit der Auflösung der Ortsgruppe erlischt die persönliche Mitgliedschaft im kfd-Diözesanverband Paderborn nicht automatisch. Die Frauen, die nicht gekündigt haben, erhalten auch weiterhin ihre Mitgliederzeitschrift, dann aber auf dem Postweg. Die bisher dafür zuständigen 25 Helferinnen, die die Verteilung durchführten, gehen in den Ruhestand. Über die Hälfte von ihnen ist bereits zwischen 75 und 85 Jahre alt. Annette Heuel ließ sich 2016 als Vorsitzende noch einmal in die Pflicht nehmen und war zuvor von 1984 bis 2003 bereits im Vorstand, unter anderem auch als Vorsitzende. Zuletzt standen ihr Doris Sauer als stellvertretende Vorsitzende, Marie- Luise Lütteke als Schriftführerin, Rita Grunbach als Kassiererin sowie die Beisitzerinnen Elisabeth Plum und Marita Schmidt zur Seite.

„Es gibt nichts Gutes, außer Frau tut es.“

Das 100-Jährige war noch groß gefeiert worden. Nach einem Festgottesdienst im Sauerländer Dom konnte die damalige Vorsitzende Emmi Schmidt 350 Frauen und einige Männer begrüßen. Zu den ersten Gratulanten gehörte der damalige Bürgermeister Alfons Stumpf, der ein abgewandeltes Zitat von Erich Kästner zum Besten gab: „Es gibt nichts Gutes, außer Frau tut es.“ Viele Jahre gab es auch eine eigene Theatergruppe, wobei Stimmungskanone Maria Schmidt – die heute mit 102 Jahren im Seniorenzentrum lebt – die Hauptrolle spielte. 

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