„Schulen können schließen– wir nicht“

Ein Gespräch mit George Koldewey von der St.-Vinzenz-Jugendhilfe über Pandemie-Bedingungen

George Koldewey ist Geschäftsführer der St.-Vincenz-IVM und des St.-Vincenz-Jugendhilfe-Zentrums. Foto: Plamper
veröffentlicht am 26.02.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Dortmund (emp). Seit Oktober 2019 ist George Koldewey  Geschäftsführer der St.-Vincenz- IVM gGmbH und des St.-Vincenz-Jugendhilfe- Zentrums. Schon das erste Jahr stellte ihn vor eine außergewöhnliche Herausforderung. Im Mittelpunkt standen die vielschichtigen Angebote und differenzierten Hilfen für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Lebensumfeldern unter Pandemie- Bedingungen weiter fortzuführen. 

Herr Koldewey, Herr Hans- Josef Langesberg übergab nach 32 Jahren den Staffelstab an Sie. Was sind Ihre Ziele?

Kontinuität bewährter pädagogischer Konzepte und gleichwohl die nachhaltige Vermittlung sozialgesellschaftlicher Werte stehen unter anderem bei der  St.-Vincenz- Jugendhilfe im Mittelpunkt.

Wie hat sich die Umsetzung der Bedarfe für Jugendlichen während der Corona- Pandemie verändert?

Wie Sie sich vorstellen können, haben die Lockdowns und die damit einhergehenden Schulschließungen quasi über Nacht ganz neue Bedarfe in den Fokus gerückt. Auf einmal müssen 50 Kinder ins Home schooling und benötigen dafür entsprechende digitale Endgeräte sowie eine belastbare Netzanbindung. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Mich haben herzzerreißende handgeschriebene Briefe der Kinder erreicht, die darum bitten, dass wir sie in die Lage versetzen, am digitalen Unterricht teilzunehmen. Hier haben wir natürlich umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um unseren anvertrauten Kindern die digitale Teilhabe zu ermöglichen. Auch für unsere Mitarbeiter bedeutet Home schooling eine ganz neue Herausforderung. Hier wurden kreative Lösungen geschaffen, um die Kinder so gut wie es geht zu begleiten.

Welche neuen beziehungsweise anderen Bedarfe bringt die Pandemie mit sich?

Die technische Ausrüstung und der Anschluss an leistungsfähige Netze mussten zügig dem Anspruch der digitalen Teilhabe gerecht werden. Auf dem Land ohne schnelles Internet kommt man sehr schnell an Grenzen.

Welche Möglichkeiten bietet die Pandemie, soziale Kompetenz zu vermitteln? 

Obwohl es so manchen der Kinder und Jugendlichen schwer fällt, sich an Regeln zu halten, hatten die meisten doch eine hohe Einsicht in die pandemiebedingten Hygieneregeln und haben auch tapfer Quarantänezeiten überstanden.

Wie reagieren die Jugendlichen auf die Einschränkungen, die sie derzeit erleben?

Wie erwähnt wünschen sich viele Kinder eine digitale Teilhabe, um wenigstens virtuell kommunizieren zu können. Aber natürlich sind viele Feste und Feiern sowie Ferienfreizeiten ins Wasser gefallen. Es wundert mich, dass alle diese sehr einschränkende Zeit so gut meistern.

Welche Herausforderungen ergeben sich durch Corona längerfristig für die Jugendarbeit?

Die digitale Teilhabe entwickelt sich gerade in Rekordzeit. Neben einer gelungenen Begleitung der jungen Menschen ist die Vorbereitung auf das digitale Zeitalter mehr in den Fokus gerückt. Leider wird die Jugendhilfe noch nicht genügend als systemkritischer Bereich erkannt. Schulen und Kitas können schließen, wenn es die Infektionslage erfordert – wir nicht. Auch jeder einzelne unserer Mitarbeiter setzt sich jeden Tag gewissen Gefährdungen aus, da manchem Kind doch noch nicht die RKI- Richtlinien in Fleisch und Blut übergangen sind. Niemand in den Teams hat mit dem Hinweis auf sein Alter oder seine Vorerkrankungen seinen Dienst eingestellt oder Home office eingefordert. Hier würde ich mich freuen, wenn langfristig die stationäre Jugendhilfe die gleiche Anerkennung findet wie etwa die Pflegeberufe. Verdient hätten es die Kollegen.

Was geht (noch)? Wie ist Ihr Blick in die Zukunft?

St. Vincenz und der Strüverhof sind in ständiger Weiterentwicklung. Wir sind gerade dabei, unsere Angebote zu überprüfen und mittelfristig zu erweitern. Wichtig ist, passgenaue Angebote für Kinder und Jugendliche zu entwickeln, um für jedes Kind in seiner individuellen Lebenssituation da zu sein.

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