Vom Reiz der Ruinen

Kultur geht auch anders: Virtueller Rundgang durch das Weserrenaissance-Museum

Auch der griechische Athena-Tempel, 450v.Chr. geschaffen, befindet sich im heutigen UNESCO-Welterbe des Paestums in der Provinz Salerno. Der Modelleur Dieter Cöllen bildete das antike Kunstwerk mithilfe des Naturproduktes Kork originalgetreu nach. Foto: Schäfer
veröffentlicht am 12.02.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Lemgo. Besondere Zeiten erfordern neue Wege. Das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo hat diese nun eingeschlagen – mit einem digitalen Angebot, Kulturgeschichte auch in Corona- Zeiten zu Hause in Ruhe zu genießen.

Nur einen Klick entfernt

Nur mit einem Klick (bis zum 28. Februar) können Besucher durch die weitläufige Anlage, die einst 1587 als Residenz der Grafen zu Lippe erbaut wurde, flanieren und mithilfe von 360-Grad- Panoramen tief in vergangene Zeiten eintauchen. Neben der Dauerausstellung, welche die schillernde Epoche der Renaissance und ihre Errungenschaften widerspiegelt, lässt sich auch die Antike durch die kleine, aber feine Sonderausstellung unter dem Titel „Von der alten Herrlichkeit“ erleben. 

Im Mittelpunkt der Schau  stehen 18 großformatige Veduten des italienischen Künstlers Gio vanni Battista Piranesi (1720–1778), ein Meister, der auf vielen Gebieten kreativ, erfolgreich und geschäftstüchtig war. Der gebürtige Venezianer Piranesi arbeitete als Archäologe, Architekt, Kupferstecher, Radierer, Verleger und Autor und machte damals, so heute im Rückblick, wirklich internationale Karriere. 

Metropole inmitten einer Ruinenlandschaft

Im vergangenen Jahr wäre Giovanni Piranesi 300 Jahre alt geworden. Anlass genug, den italienischen Meister im In- und Ausland zu feiern – und so auch im Weserrenaissance- Museum in Lemgo, das in Kooperation mit der Stiftung Ahlers Pro Arte aus Herford wunderbare Ansichten des Italieners zeigt. Piranesis bevorzugte Bühne ist das Rom des 18. Jahrhunderts, ein Ort, der ihn lebenslang inspirierte und ihn vorantrieb. Der Künstler erlebte Rom damals als eine lebendige Stadt inmitten einer Ruinenlandschaft, in der von Pflanzen überwucherte Monumente aus der Erde ragten. Genau dort fand er die Motive seiner berühmten Ansichten und Architekturfantasien. Seine detailreichen Zeichnungen der Ewigen Stadt, die damals wie heute als viel besuchtes Reiseziel galt, bestechen durch Präzision und Facettenreichtum.

Piranesi hielt nicht nur die Zeugnisse einer großen Vergangenheit aus Antike, Renais sance und Barock in seinen Blättern fest, sondern er setzte das ganz normale italienische Leben in Szene. Kleine dekorative Figuren sind im Vordergrund der Veduten zu erkennen. Die Römer arbeiten, kommunizieren, handeln oder hüten Kühe oder Schafe inmitten der Ruinen.

In der Nähe der Spanischen Treppe, im Palazzo Tomati, betrieb der Künstler eine große Werkstatt, die für Kunstgelehrte und Touristen gleichermaßen offenstand. Denn diese Piranesi- Blätter galten für die wohlhabenden Kultur- und Bildungsreisenden früherer Zeiten als beliebte Mitbringsel, um sich zu Hause an Italien zu erinnern. Und Piranesi verkaufte seine Blätter mit großem Erfolg. Auch Goethe, der fast zwei Jahre durch Italien reiste, kannte und schätzte diese Kunstwerke, die man schnell und einfach als Papierrollen als Souvenir ins ferne Deutschland mitnehmen konnte. 

Den Veduten im Museum Schloss Brake gegenüber steht eine völlig andere Kunstgattung – die Korkmodelle des Phelloplastikers (Korkbildner) Dieter Cöllen. Der Künstler aus Köln hat sich ebenfalls antiker Gebäude verschrieben, seine originalgetreuen Architekturmodelle sind in Museen, Galerien und Sammlungen weltweit zu sehen. Der 67-jährige Cöllen baut seit mehr als 25 Jahren Korkmodelle aus der Antike, arbeitet mit Architekten und Wissenschaftlern zusammen.

Risse und Abbrüche: Detailtreue begeistert

In Lemgo zu bewundern sind berühmte Tempel, so der Rundtempel von Tivoli, die griechischen Tempel sowie einige andere antike Gebäude. Und diese kleinen Modelle, geschaffen durch langjährige Recherchen und filigrane Handarbeit mit dem Naturstoff Kork, sind echte Hingucker. Sie begeistern Jung und Alt durch ihre Detailtreue. 

Anschaulich zeigt Dieter Cöllen, der übrigens als einziger diese scheinbar vergessene Kunst der Phelloplastik beherrscht, den Verfall der antiken Zeugnisse. Jeder Riss in den Gemäuern und jeder abgebrochene Stein ist an den Korkmodellen zu erkennen. Eine lebendige Art, historische Bauten zu rekonstruieren und der Nachwelt im Kleinen zu präsentieren und zu erhalten. Denn: 300 Jahre halten diese Modelle auf jeden Fall.

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