Ein abenteuerliches Leben

Sr.Maria Georg Loos hat viel von der Welt gesehen. Foto: Flüter

Sr. Maria Georg Loos hat viel von der Welt gesehen. Foto: Flüter
veröffentlicht am 13.11.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Paderborn-Neuenbeken. Sr. Maria Georg Loos gehörte der Gemeinschaft der Missionsschwestern vom kostbaren Blut seit mehr als 50 Jahren an und bekleidete unter anderem das Amt der Provinzoberin der Deutschen Provinz mit Sitz im Missionshaus in Neuenbeken. Dort ist sie in der vergangenen Woche an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. 

Als Auszubildende nach Kanada 

Wenn man mit Sr. Maria Georg Loos sprach, rutschte ihr hin und wieder ein englisches Wort in die Rede. Nach mehr als drei Jahrzehnten in der englischsprachigen Fremde durfte das schon mal passieren. Schon die junge Novizin der Missionsschwestern hatte es in das Ausland gezogen. Ursprünglich, so erzählte sie, habe sie in England ein Lehrerstudium aufnehmen wollen. Weil aber im Orden eine Physiotherapeutin gesucht wurde, verschlug es sie als Auszubildende nach Kanada, bevor sie als Therapeutin nach Südafrika ging. 

Als Lehrerin nach Südafrika 

Dort erreichte sie nach wenigen Wochen ein Hilferuf, weil im St. Francis College im südafrikanischen Mariannhill Lehrerinnen fehlten. So wurde Schwester Maria Georg Loos doch noch Lehrerin, auch wenn sie ein Studium für das Lehramt erst viel später absolvierte. 30 Jahre arbeitete sie in der Schule und gleichzeitig als Physio- und Ergotherapeutin. 

Nach Rom berufen

So unvorhersehbar wie der Start ins Berufsleben war, so ist das Leben von Schwester Maria Georg Loos geblieben. 2004 wurde sie Provinzoberin in der südafrikanischen Ostkap- Provinz. 2008 berief der Orden sie als Assistentin des Generalrates nach Rom. Ein Jahr später, 2009, wurde sie Provinzoberin der Deutschen Provinz mit Sitz im Missionshaus Neuenbeken. 2018 schied sie aus Altersgründen aus diesem Amt aus. Einige Jahre hatte sie zudem das Amt der Vorsitzenden der Paderborner Ordenskonferenz (POK) innegehabt. 

Voller Ideen und Pläne

Auch nach dem Rückzug in den Ruhestand blieb sie voller Ideen und Pläne. „Gottes Wille, mein Wille, ein Wille“: So lautete ihr Lebensmotto. Die Aufmerksamkeit für das Leben und für andere sei ausschlaggebend bei der Suche nach Gott, sagt sie: „Gott kommt in vielen Verkleidungen. Wer achtsam lebt, wird ihn erkennen.“ Diese Überzeugung beschrieb sie auch in ihrem Buch „Gottesbegegnungen im Alltag“. 

Ihr „Gott der Überraschungen“

Eine langjährige Tumorerkrankung hat den Drang, aktiv zu werden, lange Zeit nicht behindern können. Vor etwa einem Jahr ist Sr. Maria Georg auf die Krankenstation im Missionshaus gezogen, wo „ihre Lebenskräfte nach und nach weniger wurden und nun aufgebraucht waren“, wie der Orden auf seiner Internetseite bekannt gab. „In ihrer intensiven und lebendigen Gottesbeziehung“ habe sich Sr. Maria Georg Loos schon seit geraumer Zeit „sehr konkret mit dem Sterben auseinandergesetzt“. So könne sie ihrem „Gott der Überraschungen“ gut vorbereitet begegnen. 

Am Ende hat immer alles gepasst

Sr. Maria Georg Loos war bekannt dafür, sich auf einen Gott zu berufen, der für die Menschen nicht berechenbar ist. Man müsse das annehmen, „was Gott an Überraschungen bietet“, sagte sie 2015 bei einem Treffen. In ihrem Leben sei nichts so gekommen wie erwartet und doch habe am Ende immer alles gepasst. „Ja, es ist abenteuerlich, sich auf den Gott der Überraschungen einzulassen“, sagte sie damals, „aber ich würde alles genauso wieder tun.“

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