Wie wird man eigentlich heilig?

Jedenfalls geht es nicht darum, Unmögliches zu vollbringen

Die Schar der Heiligen. Illustration: Gerd Altmann / pixabay
veröffentlicht am 30.10.2020
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Jedes Jahr feiern wir am 1. November das Hochfest Allerheiligen. Wir gedenken Menschen, die anscheinend Unmögliches vollbracht haben müssen. Die heutigen Lesungstexte zeigen, was es eigentlich bedeutet, heilig zu sein.

Lange nicht mehr habe ich einen so großen Zusammenhang zwischen Lesungstexten des Tages gesehen. Der Autor in dem Offenbarungstext hat eine Vision: Er sieht am Tor des Himmelreichs Menschen aus aller Welt, die der festen Überzeugung sind, dass die Rettung von Gott kommt (vgl. Offb 7,10). Und diese Menschen sind keine Helden in ihrem Leben gewesen. Es sind die, die „aus der großen Bedrängnis kommen“ (Offb 7,14). Sie hatten also kein einfaches Leben und wurden zu ihren Lebzeiten vielleicht sogar verachtet. 

Gottgefällige Taten 

Doch das sind diejenigen, die in der Offenbarung als gottestreu und heilig gelten. In der Auferstehung bei Gott zu sein, ist das Ziel, und das ist in dem Offenbarungstext stark erkennbar. Die Taten und die Mentalität im irdischen Leben waren gottgefällig. Im Psalm 24 wird der Weg dargestellt, wie das große Ziel erreicht werden kann: „Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, der seine Seele nicht an Nichtiges hängt und keinen trügerischen Eid geschworen hat. Er wird Segen empfangen vom Herrn und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils“ (Ps 24,3-5). 

Wir sind Kinder Gottes

In der zweiten Lesung geht es um das irdische Leben. Auch wenn man ein reines Herz hat und nicht trügerisch ist und vollkommen auf Gott vertraut, so heißt das nicht, dass jeder und jede dies erkennt. Auf der Erde existiert die Realität, in der nicht alle Menschen Gott erkannt haben („Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Deshalb erkennt die Welt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat“, 1 Joh 3,1). Es ist sehr demotivierend, wenn selbstlos und voller Nächstenliebe gehandelt wird, aber keine Anerkennung folgt. In der Textstelle des ersten Johannesbriefs wird deutlich, dass nicht die Anerkennung von anderen Menschen auf der Welt relevant ist, sondern die persönliche Einstellung und die feste Überzeugung, dass ich ein geliebtes Kind Gottes bin, und allein das genügt. 

Vollkommenes Vertrauen

Das vollkommene Vertrauen auf Gott und seinen Plan verhilft dem Menschen dazu, nach seiner Überzeugung zu leben und nicht nach der Gefälligkeit der irdischen Gesellschaft („Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt, heiligt sich, so wie er heilig ist“, 1 Joh 3,3). 

Was in der Bergpredigt steht 

Letztendlich wird in der Bergpredigt im Matthäusevangelium noch einmal das angesprochen, was in dem Offenbarungstext auch steht. Nicht die Glorreichen und Erfolgreichen werden in das Himmelreich gelangen, sondern „die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,10). 

Allein Gott genügt

Für uns heißt es, dass wir keine unmöglichen großen Taten vollbringen müssen. Es kommt nicht auf das Ansehen an oder auf die Dinge, die den Mitmenschen gefallen. Theresa von Avila sagt: „Allein Gott genügt.“ Ich denke, dass sie damit den Sinn des heutigen Festes erkannt hat.

Zur Autorin

Charleen Horoba studiert Caritaswissenschaften und Ethik in Freiburg. 

Info

Die Märtyrerakten

Die Akten der Märtyrer sind die offiziellen Aufzeichnungen der Gerichtsverfahren über die Märtyrer der frühen Christenheit. In einem erweiterten Sinn wird der Begriff gebraucht für alle Berichte über Gerichtsverfahren und Tod dieser Märtyrer. Es wird unterschieden zwischen offiziellen Berichten der Verhöre, nichtoffiziellen Berichten von Augenzeugen und späteren Dokumenten. Man geht davon aus, dass die Märtyrerakten, die von den Christgläubigen selbst geschrieben wurden, Idealisierungen darstellen. Primär geht es dabei aber nicht um Tatsachenberichte. Es geht darum, herauszustellen, wie weit Christinnen und Christen für ihren Glauben gehen. Ein bekanntes Beispiel ist die Märtyrerakte von Perpetua und Felicitas.

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