Auf der Suche nach dem Bild Gottes

Auf einer Münze findet man es nicht

Auch heute zeigen Münzen mehr als nur ihren Wert. Die Euro-Münzen etwa haben eine Seite für alle Euroländer und jeweils eine nationale. Foto: Alexas_Fotos/ Pixabay
veröffentlicht am 16.10.2020
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Für viele Menschen im Umfeld Jesu war es ein Ärgernis, andere hatten sich damit arrangiert: Um die Steuer zu bezahlen oder auch um ein Alltagsgeschäft zu tätigen, musste man eine römische Münze zur Hand nehmen, auf der Name und Bild des Kaisers eingraviert waren.

Münzen als Machtsymbol

Die Münzen waren damit ein Machtsymbol, das jedem Israeliten vor Augen führte, dass er zu einem unfreien Volk gehörte. Auch wenn die Israeliten sich selbst als das von Gott erwählte Volk sahen, wurde ihnen in ihrem Alltag immer wieder bewusst, dass sie unter einer heidnischen Herrschaft lebten.

Wenn die Evangelisten berichten, dass im Jüngerkreis Jesu sowohl Zöllner als auch Zeloten, also Kollaborateure und militante Gegner der Fremdherrschaft, zu finden waren, kann man erahnen, dass auch im engsten Umfeld Jesu darüber gestritten wurde, welches der rechte Umgang mit der Fremdherrschaft war.

Steuern zahlen

Dem Kaiser die Steuer mit einer römischen Münze zu bezahlen, macht die politische Abhängigkeit vom heidnischen Herrscher bewusst. Zugleich stellt sich die theologische Frage, ob man durch eine solche Unterwerfung unter eine heidnische Macht Gott untreu wird. 

Die Jünger der Pharisäer und die Anhänger des Herodes stellen Jesus eine Falle, indem sie ihre Frage so formulieren, dass eigentlich nur ein klares Ja oder ein klares Nein als Antwort möglich sind: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?“ (V. 17) Entweder Jesus bejaht diese Frage aus einem politischen Pragmatismus heraus. Die Steuer wird dann gezahlt, auch auf die Gefahr hin, den Glauben an den einen Gott zumindest zu verdunkeln. Oder Jesus verneint die Frage, da der Glaube an den einen Gott für ihn einen Tribut an eine heidnische Macht verbietet. Der Glaube soll scheinbar bis ins Letzte konsequent sein, auch wenn dies ein Konflikt mit den herrschenden Römern heraufbeschwört.

Jesus entzieht sich

Jesus entzieht sich dieser Dichotomie, dieser Zweigliedrigkeit, und meidet so einen rigiden Idealismus. Ein rigider Idealismus, so hat es Papst Franziskus einmal formuliert, steht immer in der Versuchung, das ideale Schema auf die Realität zu projizieren, ohne dabei die Grenzen dieser Realität im Blick zu haben.

Jesus verweigert sich einer schnellen und einfachen Antwort. Er weitet vielmehr den Blick. Er gibt eine Weisung, die eine Hilfe für den Einzelfall sein kann und darin zugleich über die konkrete Frage nach der Steuer hinausgeht: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (V. 21)

Was gehört Gott?

Dass die Münzen dem Kaiser gehören, steht außer Frage, denn auf ihnen sind sein Name und sein Bild eingraviert. Aber was gehört Gott? Jesus entlässt seine Zuhörer mit eben dieser Frage und schickt sie gleichsam auf die Suche: Das Bild des Kaisers erkennt Ihr auf der Münze, aber in welchen Dingen erkennt Ihr das Bild Gottes? 

Eugen Drewermann hat es einmal prägnant auf den Punkt gebracht: Das Bild des Kaisers ist auf der Münze. Das Bild Gottes hingegen ist in mein Herz hineingeschrieben. Es ist somit legitim, der weltlichen Macht die Münzen zu zahlen. Nicht im Sinne Jesu ist es hingegen, das eigene Herz an eine weltliche Macht zu verkaufen. 

Info

Kaiser und Kaiserkult

Unter dem römischen Herrscher Augustus (63 v. Chr.–14 n. Chr.) wurde der Grund für das römische Kaisertum gelegt. Seine Titel und Namen entwickeln sich im Laufe der Zeit zu Kaiserbezeichnungen, so leitet sich von seinem Familiennamen Caesar das deutsche Wort Kaiser ab. 

Im römischen Kaisertum wurden Staat und Religion miteinander verbunden. Der Herrscher wurde in einem Kult als göttlich verehrt, sodass der Staat auf einem religiösen Grund ruhte. Was polytheistischen Religionen keine Schwierigkeiten bereitete, war für das Judentum und das Christentum ein Problem. Für sie war es aus ihrem monotheistischen Selbstverständnis heraus undenkbar, neben dem einen Gott weitere Personen als göttlich in einem Kult zu verehren.

Zum Autor

Christian Städter studierte Theologie und Psychologie in Rom und ist Priester des Erzbistums Paderborn. Er arbeitet zurzeit in der Priesterausbildung. 

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