Warum die Botschaft des Arbeiterpriesters so aktuell ist

Franz Meurers neues Buch „Glaube, Gott und Currywurst – Unser Platz ist bei den Menschen“

100 Zuhörer waren in St.Michael dabei, als Pfarrer Meurer mahnend appellierte. Foto: Annabell Jatzke
veröffentlicht am 09.10.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Hagen. Wer eine normale Lesung erwartet hatte, der war bei der Veranstaltung mit dem Pfarrer Franz Meurer in St. Michael in Hagen- Wehringhausen fehl am Platz.

Bereits vor fünf Jahren war Meurer zu Beginn der Veranstaltungsreihe „Kirche in anderem Licht“ schon einmal in Hagen zu Gast. Eigentlich war der Kölner Geistliche diesmal gekommen, um vor 100 Zuhörern sein neues Buch „Glaube, Gott und Currywurst – Unser Platz ist bei den Menschen“ vorzustellen, stattdessen folgte ein aufrüttelnder Appell an die Menschlichkeit. Der aus dem Rundfunk bekannte Pfarrer hat viele Jahrzehnte Erfahrungen gesammelt und berichtete aus seinem Leben. Und als Kölsches Original und Legende in einem armen Kölschen Stadtviertel hatte er wahrlich viel zu berichten und das äußerst lebendig.

Was Menschen von Kirche erwarten 

Er versteht sich selbst als Arbeiterpriester und hat über die Jahre hinweg mit Generationen an Menschen den Alltag, die Sorgen und Hoffnungen geteilt. Aus diesen Erwartungswerten hinaus weiß er, was die Menschen von der Kirche brauchen und was sie von Kirche noch erwarten können. Nicht zuletzt im „HöVi- Land“, einer sozialen Einrichtung, die auch über die Grenzen der Rheinmetropole hinweg bekannt geworden ist, sammelte Meurer seine Erkenntnisse. Nicht die zahlreichen Ehrungen, sondern vielmehr die Anerkennung der Menschen sind gewiss eine Belohnung. Für sein Engagement und sein mutiges und authentisches Auftreten ist der 69-Jährige bei den Menschen beliebt. 

Mit-Machkirche wichtig

Ihm ist es wichtig, dass man wahrnimmt, was sich in der Gesellschaft verändert und immer auch den soziologischen Hintergrund betrachtet. So zeigte er die Unterschiede zwischen Empathie, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Solidarität auf. Ihm, der äußerst sozialkritisch ist, ist es wichtig, dass die Kirche eine Mitmach- Kirche ist. Kirche sollte seiner Ansicht nach ein Mehrzweckraum sein und durch einladende Gastfreundschaft glänzen – sich eben den Veränderungen anpassen. 

Glänzen durch Gastfreundschaft

„Ich erzähle nicht zu viel vom Buch, sonst ist es nicht mehr spannend“, so Meurers Erklärung, warum er nicht aus dem Buch vorlas, sondern eher einen Vortrag mit diversen Einspielern  hielt. Meurer, als bekannte Persönlichkeit bestens vernetzt, präsentiert mit „Glaube, Gott und Currywurst – Unser Platz ist bei den Menschen“ kein Krisenbuch, sondern eines mit Erfolgsgeschichten. Auf den 208 Seiten des im Herder- Verlag erschienenen Werkes finden sich zudem auch Antworten auf die zentrale Frage „Was kann Kirche heute noch tun?“. Warum solch ein Buch? – Diese Frage wurde Meurer des Öfteren gestellt. Einst mussten sich die Menschen vor der Kirche rechtfertigen, spätestens seit den Missbrauchsskandalen ist es nun andersherum. Die Kirchenleute müssen zeigen, was es überhaupt nützt, in der Kirche mitzumachen. Andererseits steht schon in der Bibel im ersten Petrus- Brief  3, 15 – 16: „Seid bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen.“ 

Unkonventionellen Aktionen

Seit 1992 ist Meurer in der katholischen Kirchengemeinde St. Theodor und St. Elisabeth in den Stadtteilen Vingst und Höhenberg Pfarrer. Die Stadtteile gelten als Problemviertel, dort leben etwa 23 000 Menschen, von denen knapp 4 000 soziale Unterstützung erfahren. Jeder Dritte dort ist Ausländer. Man ist geneigt, von einem sozialen Brennpunkt zu sprechen. Für Meurer, der zunächst Rechtswissenschaft, später Sozialwissenschaften und katholische Theologie studierte, stellt dies jedoch keine Problematik dar. Bei seiner Priesterweihe 1978 versprach er seinerzeit, sich um die Armen zu kümmern. Dies macht er mit teils unkonventionellen Aktionen. Dabei schreibt Meurer den ökumenischen Gedanken besonders groß. Intensivst arbeitet er mit der evangelischen Gemeinde und den Muslimen im Viertel zusammen. So stellt er beispielsweise mit der evangelischen Kirchengemeinde zusammen das „HöVi- Land“, eine Ferienfreizeit für 500 Kinder, auf die Beine.

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