Wege aus der Abhängigkeit

Caritas Sucht- und Drogenberatung berichtet von weiter steigenden Zahlen Suchtkranker

Das Team der Caritas Sucht- und Drogenberatung (v.l.): Ivonne Bracharz-Kivelitz, Jessica Büsing, Sabine Becker, Liliane Schafiyha-Canisius, Gregor Völlmecke und Petra Brandenburg. Archivfoto: Sandra Wamers
veröffentlicht am 04.09.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Brilon. Der Bedarf an Beratung in Fragen von Sucht und Drogenmissbrauch steigt weiter: Die Caritas Brilon meldet für das vergangene Jahr 599 Ratsuchende – ein neuer Höchststand. Hauptdiagnose ist weiterhin Alkoholabhängigkeit, vor allem bei Männern. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den das Beratungsteam jetzt vorlegte.

Beratungsbedarf steigt 

„Die Menschen und ihre Geschichten berühren uns immer wieder, machen aber auch nachdenklich in der Betrachtung gesellschaftlicher Zusammenhänge“, sagt Liliane Schafiyha- Canisius, Leiterin der Sucht- und Drogenberatung. „Zugleich sind wir immer wieder beeindruckt von der Kraft und dem Willen der Klienten, aus der Sucht he rauszukommen, aus der man allein nur durch Willen nicht he rauskommen kann.“ Der Ausstieg aus der Sucht bedeute harte Arbeit für jeden Klienten: Die Auseinandersetzung mit eigenen Lebensgeschichten, Persönlichkeitsanteilen und Verhaltensweisen. „Dies zu verstehen ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit mit Klienten und Angehörigen“, betont die Suchttherapeutin.

Beeindruckt von Kraft und Willen

Der Bedarf an Beratung steigt kontinuierlich: 2017 suchten 556 Menschen Rat und Hilfe bei der Caritas- Suchtberatung, 2018 waren es 574, im vergangenen Jahr 599 Hilfesuchende. „Am deutlichsten wird der gestiegene Bedarf an Hilfe in der Altersgruppe der 41- bis 55-Jährigen: 2018 waren es 153 Klienten, im vergangenen Jahr 177. Mehr Menschen meldeten sich anonym und konnten deshalb nicht näher erfasst werden. Die Klienten kommen zum Beispiel aus Brilon (115), Marsberg (85) Olsberg (62), Winterberg (54), Medebach (22), Hallenberg (3), Bestwig (34), Schmallen berg (78), Meschede (92) oder Eslohe (11). 

Weiterhin ist die Hauptdiagnose Alkohol, wenn Menschen die Suchtberatung aufsuchen. An einer Alkoholabhängigkeit sind doppelt so viele Männer (204) wie Frauen (98) erkrankt. Sehr ähnlich verhält es sich bei dem Konsum von multiplen, also vielfältigen Substanzen wie Cannabis und Amphetaminen: Mehr als doppelt so viele Männer (45) wie Frauen (20) konsumieren mehrere Suchtmittel. Die Caritas- Suchtberatung begleitet ebenfalls Menschen, die spielsüchtig sind. 2019 waren das 2 Frauen und 19 Männer.

Jährlich neue Schwerpunkte

Das Team legt jährlich neben der Beratung und Begleitung auch neue Themenschwerpunkte fest. Im vergangenen Jahr wurde der Fokus auf betriebliche Suchtarbeit gelegt. „Sucht am Arbeitsplatz ist ein Tabuthema, das leider sehr weit verbreitet ist“, weiß Liliane Schafiyha- Canisius. Ihr Team bietet Firmen und Handwerksbetrieben professionelle Begleitung an: „Wir beraten Betroffene, gleichwohl Geschäftsführer oder Betriebsräte, wie das Thema angefasst und beispielsweise auch präventiv in Form einer Dienstvereinbarung im Unternehmen bearbeitet werden kann.“ 

Ein weiterer Schwerpunkt war die verstärkte Zusammenarbeit mit den Jobcentern, denn: „Menschen mit einer Suchtgeschichte haben es häufig schwer, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, so die Expertin. Für Menschen mit einer Suchterkrankung, die arbeiten, bietet das Team alternativ zu einem stationären Klinikaufenthalt die ambulante Reha an. Die Einzel- und Gruppentermine werden spätnachmittags nach Dienstende angeboten. Erfahrungen tauschen die Teilnehmer alle zwei Jahre beim sogenannten „Ehemaligen- Treffen“ aus. 

Tendenz zu mehr Rückfällen

Die Corona- Pandemie hat sich auch auf die Suchtberatung ausgewirkt. „Wir waren zwar durchgängig erreichbar, aber im Lockdown konnten wir nur telefonisch beraten oder via Videokonferenz die Gruppenangebote durchführen“, sagt Liliane Schafiyha- Canisius. Der Beratungsbedarf war da. „Persönliche Krisen und Zukunftsängste, wie sie aktuell viele Menschen kennen, können bei einer Sucht erkrankung schneller zu einem Rückfall führen“, weiß die Sucht expertin und erkennt für das aktuelle Jahr bereits die Tendenz, dass es mehr Rückfälle gegeben hat. „Scheuen Sie sich nicht als Betroffener oder Angehöriger, uns anzusprechen. Wir hören zu und helfen Ihnen“, lädt die Beratungsstellenleiterin ein.

Info

Kontakt zur Suchtberatung der Caritas in Brilon unter: 

Tel.: 0 29 61/7 79 97 70,

in Meschede: Tel.: 02 91/9 99 70, 

E-Mail: 

psbb.brilon@caritas-brilon.de

Weitere interessante Artikel auf DerDom.de
18.09.2020

 

 

 

 

Wenn man nicht mehr weiter weiß

Der SKFM für den Kreis Gütersloh engagiert sich intensiv in der rechtlichen Betreuung

weiterlesen
18.09.2020

 

 

 

 

„Unser Spiel lebt von Leidenschaft“

Ökumenischer BVB-Gottesdienst zum Saisonstart

weiterlesen
18.09.2020

 

 

 

 

Die Botschaft der Auferstehung

Crowdfunding-Projekt für die Kolumbariumskirche Siegen gestartet

weiterlesen