Introstrategie: Wie wollen wir in Zukunft Gemeinde Jesu Christi sein?

Es werden einfach zu viele Menschen übersehen – auch in der Kirche

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Jetzt ist die Zeit, um über eine neue Strategie nachzudenken. Foto: Jan Vašek / Pixabay
veröffentlicht am 24.04.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

In den Wochen nach Ostern finden traditionell in den Gemeinden die Feiern der Erstkommunion statt. Bei diesem Fest geht es um Gemeinschaft, und die ist in diesem Jahr aus guten Gründen weder in der Kirche noch in der Gaststätte möglich. Die Feiern sind bis auf Weiteres abgesagt.

In Politik und Wirtschaft läuft bereits die Diskussion über eine Exitstrategie. Die könnten wir auch in der Kirche mal führen, vielleicht weniger als Exit-, sondern mehr als Introstrategie. Corona hat ein Problem nach oben gespült, das in der Gesellschaft lange bekannt ist: Einsamkeit. Es werden einfach zu viele Menschen übersehen – auch in der Kirche. In den Gemeinden liegt der Fokus häufig auf den jungen Familien. Um die soll man sich kümmern, oft nicht unbedingt um ihrer selbst willen, sondern wegen der Zukunftssicherung der Kirche. Die Alten und Sterbenden, von denen man für die Zukunft angeblich nichts mehr zu erwarten hat, geraten aus dem Blickfeld. Aber nicht nur sie: Die Direktorin des Katholischen Bibelwerkes, Dr. Katrin Brockmöller, schrieb Anfang April, als sich für sie ein einsames Osterfest anbahnte, Folgendes im Internet: „Ich suchte im Internet nach kreativen Angeboten von Diözesen und Gemeinden, um mich inspirieren zu lassen, und war fassungslos. Neben den Liveübertragungen von Gottesdiensten erschien es mir, als gäbe es nur Angebote für Familien und Paare. Als Single, als Frau Mitte der Vierziger, ohne Kinder und ohne Lebenspartner, einfach nur für mich allein, fand ich nichts. Wieder mal nichts.“

Gemeinschaft im christlichen Sinne bedeutet nicht einfach nur geselliges Beisammensein eines ehemaligen Familienkreises, dem die Kinder längst entwachsen sind. Es geht auch nicht um das Miteinander eines in sich geschlossenen Freundeskreises, der seit hundert Jahren den Bierwagen beim Pfarrfest besetzt hält, um es jetzt mal überspitzt zu formulieren. Wenn wir Christen von Gemeinschaft reden, dann meinen wir wirkliches Miteinander, Teilhabe. „Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot…“, heißt es in einem neueren Kirchenlied.

Leben teilen, nicht nur Freizeit miteinander verbringen– was bedeutet das in letzter Konsequenz? Wie wollen wir in Zukunft Gemeinde Jesu Christi sein? So könnte die Diskussion einer Introstrategie laufen. Zeit wäre ja jetzt.

von Claudia Auffenberg

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