Warum „Die Passion“ von RTL trotz Absage bewegt

TU Dortmund analysiert umstrittenes Fernsehformat

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Prof. Dr. Claudia Gärtner hält „Die Passion“ für ein spannendes Event. Foto: TU Dortmund
veröffentlicht am 27.03.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Dortmund/Essen/Köln. Jede Menge Stars, Altmeister Thomas Gottschalk als Erzähler und eine der größten Geschichten der Menschheit– der Fernsehsender RTL sparte nicht mit Superlativen, wenn es um „Die Passion“ geht. Zwar ist das Event wegen der Corona-Pandemie abgesagt, dennoch lohnt es sich, das Ganze aus theologischer Sicht zu bewerten. Denn in anderen Ländern konnten Wissenschaftler bereits Erkenntnisse sammeln. Dies taten auch Forschende der Technischen Universität (TU) Dortmund im Vorfeld. Sie planten sogar einen Studientag am 8.April, der nun ebenfalls nicht stattfindet.

von Wolfgang Maas

„Die Passion ist ein tolles Phänomen, das uns einfach interessiert.“ Prof. Dr. Claudia Gärtner, Universitätsprofessorin für Praktische Theologie an der TU Dortmund, gehört zu den Organisatoren des Studientages. Sie kennt das Fernsehformat bereits aus den Niederlanden, wo es seit Jahren die Massen begeistert. „Der Marktanteil liegt dort bei über 40 Prozent. Das sind Werte wie bei Fußballübertragungen“, erklärt Prof.Gärtner. Und das in Zeiten, wo Streaming-Dienste den traditionellen Sendern zunehmend das Leben schwer machen.

Nur Show?

Erzählt wird die Leidensgeschichte Jesu, dazu gab es eine Prozession, die in Deutschland in Essen stattfinden sollte. Ist das nur Show, nur oberflächliche Berieselung? Oder könnte man so Religion wieder in den Alltag der Menschen bringen? Prof.Gärtner möchte diese Fragen im Vorfeld nicht beantworten. „Ich könnte als Theologin sagen: ‚Das ist mir zu oberflächlich. In den Niederlanden gibt es aber auch Reaktionen, die ich ernst nehmen muss.“

Event bewegt Niederländer

Dort berichten viele Zuschauer, dass das Event sie bewegt habe. Allerdings haben die Niederländer traditionell ein anderes Verständnis von Religion. Ob sich das auf Deutschland übertragen lässt, sei eine spannende Frage. „Wir müssen einfach die Ausstrahlung abwarten.“ Wahrscheinlich wird die im kommenden Jahr stattfinden.

Auf der anderen Seite gebe es natürlich auch diejenigen, die mitmachen, weil sie Prominente hautnah sehen und erleben möchten– kurz: die ganz große Show. Claudia Gärtner findet aber, dass ganz große Inszenierungen den Katholiken nicht fremd sind. „Oberammergau und andere Passionsspiele sind auch immer ein Spektakel.“

Bei unseren westlichen Nachbarn ist „Die Passion“ nicht nur bei den Kirchengemeinden angekommen. Die Sendung wird zum Beispiel auch in Kneipen gezeigt. Und jedes Jahr wetteifern mehrere Städte darum, wo produziert wird. Folglich stehe die Bevölkerung voll und ganz hinter der Show– Religion hin oder her. Ob sich das Ganze auch in Deutschland so entwickelt, bleibt abzuwarten.

 

 

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