Wie hältst du es mit der Religion?

Fotoausstellung in der Theologischen Fakultät

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Eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotos aus einer fremden Welt zeigt die Ausstellung in der Theologischen Fakultät. Foto:Andreas Wiedenhaus
veröffentlicht am 17.01.2020
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Paderborn (-berg). Eigentlich besucht man ja eine Fotoausstellung, um sich etwas anzuschauen: andere Menschen, fremde Landschaften, neue Perspektiven. In der Theologischen Fakultät Paderborn ist zurzeit eine Ausstellung des Fotografen Lev Silber zu sehen, bei der einen das Gefühl beschleicht, dass man nicht die Menschen auf den Fotos anschaut, sondern umgekehrt. Und es kommt noch unangenehmer. Die Menschen scheinen den Betrachter zu fragen: Wie hältst du es mit der Religion? Wie wichtig ist dir dein Glaube? Wie ernst nimmst du die Tradition deiner Väter?

Zu sehen sind Menschen aus Nischni Nowgorod in Russland, es sind sogenannte „Altgläubige“. Diese Glaubensgemeinschaft ist eine Abspaltung der russisch-orthodoxen Kirche. Im 17.Jahrhundert entzündete sich im Rahmen einer Liturgiereform ein Streit, der nicht friedlich gelöst wurde, sondern in einer Spaltung endete. Die Fragen, um die es ging, klingen aus heutiger Sicht reichlich kleinkariert, aber man kennt es ja: Wenn es um die Wahrheit geht oder um das, was man dafür hält, ist es mit der Toleranz schnell aus und Formalismen werden theologisch geradezu existenziell aufgeladen. Bei den „Altgläubigen“ ging es um die Frage, ob man sich mit zwei oder mit drei Fingern bekreuzigt. Die einen waren für zwei Finger, weil sie die beiden Naturen Jesu symbolisieren, die für drei Finger führten die Trinität ins Feld.

Erbitterter Streit

Der Streit wurde erbittert geführt, einschließlich Scheiterhaufen und Vertreibung. Später kam politische Bedrängnis hinzu. Erst mit der Perestroika, die 1986 eingeleitet wurde, endete die Verfolgung der „Altgläubigen“. Die Fotos sind alle danach entstanden. Bis heute also nehmen die „Altgläubigen“ ein hartes, von der Welt abgewandtes Leben auf sich, das ganz durchdrungen ist von der Tradition. Zum Alltag der Menschen gehören dicke religiöse Bücher, die auf fast allen Bildern zu sehen sind, Ikonen und Gebetsketten. Nicht dazu gehören Priester. Durch den Abfall vom Glauben, so die Sicht dieser Gruppe, habe die Orthodoxie bis auf die Taufe alle Sakramente verloren. Dem Gottesdienst steht ein Laie, häufig eine Frau, vor. Heute, nachdem sich in Russland die Verhältnisse geändert haben und die Gläubigen zumindest nicht mehr verfolgt werden, findet man „Altgläubige“ in der ganzen Welt. 300 Gemeinden gibt es schätzungsweise.

300 Gemeinden auf der Welt

Die Bilder in der Theologischen Fakultät zeigen Menschen, deren Alltag hart und beschwerlich ist. Aber sie sind nicht unglücklich. Das Leben in der Tradition und in der Gemeinschaft gibt augenscheinlich Halt. Und doch möchte man sie fragen: Seid ihr euch wirklich sicher?

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