Durch Sturm und Stacheldrahtzaun

Seit 1994 kommt das Friedenslicht nach Deutschland

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In einer Laterne wird das Friedenslicht sicher transportiert, damit die Flamme nicht erlischt. Foto: KNA
veröffentlicht am 13.12.2019
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Bonn (KNA). Seit 1994 gibt es die Aktion „Friedenslicht aus Bethlehem“. Ab dem dritten Adventswochenende wird die Flamme an Gemeinden, Institutionen und auch Privatleute weitergegeben. Um die Überbringung des Lichtes von der Geburtsgrotte nach Deutschland kümmern sich die Pfadfinder. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) blickt Thorsten Zenk, Mitglied im Ringarbeitskreis des Friedenslichtes und Friedenslicht-Beauftragter des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) in Schleswig-Holstein, auf die letzten 25 Jahre zurück.

Herr Zenk, Sie sind ein Mann der ersten Stunde. Wie kam es überhaupt dazu, dass die deutschen Pfadfinder hierzulande das Friedenslicht weitergeben?

Die Aktion entstand 1986 als Initiative des Österreichischen Rundfunks im Rahmen einer Spendengala. Seitdem wird das Licht in der Vorweihnachtszeit von einem österreichischen Kind an der ewigen Flamme in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündet und nach Österreich gebracht. Drei Jahre später wurde die Idee vom Wiener Pfadfinderleiter Herbert Grünwald aufgegriffen. Wir haben über die österreichischen Pfadfinder davon erfahren. Sie organisieren seitdem die Verteilung des Friedenslichtes an ausländische Pfadfinder-Delegationen im Rahmen einer ökumenischen Feier in Wien oder Linz.

Wie funktioniert der Transport? Gibt es keine Sicherheitsbedenken für den Flug oder die Zugfahrt?

Die Österreicher haben eine Ausnahmegenehmigung, das Licht in einem Spezialbehälter im Flugzeug mitzuführen. Nach dem Aussendungsgottesdienst, bei dem das österreichische Friedenslichtkind alle mitgebrachten Laternen der Delegationen entzündet, wird das Licht dann in verschiedene europäische Länder, mitunter auch nach Übersee, gebracht. Wir transportieren die entzündeten Laternen mit der Bahn nach Deutschland; Mün­chen ist für uns die erste Station, von dort wird das Licht dann sternförmig weiter in die Umgebung verteilt. Anfangs haben wir das Licht noch in einer Petroleumlampe – in einem Blecheimer mit Löchern, damit Luft drankommt – transportiert. Doch dann haben wir von der Bahn Sicherheitsauflagen bekommen. Seitdem verwenden wir eine Kerze, die in einer Laterne steht, die noch mal in einem Eimer steht.

Ist das Risiko nicht groß, dass die Flamme unterwegs mal ausgeht? Und hätten Sie für den Fall einen Plan B oder ein Reservelicht?

Ich bin seit 1996 Mitglied der deutschen Delegation; ich habe es in all den Jahren noch nie erlebt, dass das Licht mal von alleine ausgegangen ist. Natürlich achten wir auf die Flamme, dass sie nicht erlischt. Sollte das mal passieren, heißt es: eine Station zurückfahren, wo noch ein Originallicht aus Bethlehem brennt. Daran wird die Kerze dann neu entzündet. Ich selbst nehme zur Sicherheit immer eine zweite Laterne mit.

Was ist Ihnen in all den Jahren besonders in Erinnerung geblieben?

Wo soll ich da anfangen? Ich erinnere mich gerne an meine erste Aussendungsfeier im Wiener Stephansdom; er war bis zum Anschlag gefüllt mit Pfadfindern unterschiedlichster Nationen und Konfessionen. Als wir dann alle das Glaubensbekenntnis in unserer Muttersprache gesprochen haben, da habe ich wirklich Gänsehaut bekommen. In besonderer Erinnerung ist mir auch die Aktion nach den Anschlägen vom 11. September. Damals haben wir das Friedenslicht über Kiel mit dem Schiff nach Norwegen und von dort in einem Privatjet nach New York gebracht, wo wir es am Ground Zero einem Feuerwehrmann übergeben haben. Als die Situation in Israel mal so schlimm war, dass kein österreichisches Kind einreisen konnte, um in Bethlehem das Licht zu holen, hat uns ein palästinensisches Kind das Licht zum Flughafen in Linz gebracht. Ein anderes Mal übergab ein palästinensisches Kind die Flamme durch den Stacheldrahtzaun einem israelischen Kind; auf beiden Seiten standen die Soldaten mit ihren Maschinengewehren im Anschlag. Wir haben die Flamme auch schon bei stürmischer See per Schiff nach Norwegen gebracht; da musste ich die Laterne schon gut festhalten, damit das Licht nicht ausgeht 

Warum bewegt dieses Friedenslicht die Menschen so?

Zum einen ist das Licht von der Geburtsgrotte gerade in der Weihnachtszeit ein starkes Symbol für die Friedensbotschaft, die von dort ausgeht. Diese Botschaft berührt Menschen, über alle Konfessionen und Nationen hinweg. Viele spricht es auch an, dass wir das Licht auch in Krankenhäuser, Alten- und Obdachlosenheime bringen und uns dort auch auf einen Kaffee mit den Menschen zusammensetzen. In vielen Gemeinden brennt das Licht um Weihnachten in einem sicheren Gefäß in der Kirche – zum Abholen und Weitergeben. Als Zeichen dafür, dass der Wunsch nach einem Leben in Frieden die Menschen auf dieser Welt verbindet.