Ausdauer – Wachsein – Beten

Gedanken zu Lk 12,13-21

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Für uns gilt: Ausdauer behalten, wach bleiben und beten. Foto: Himsan/pixabay
veröffentlicht am 18.10.2019
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Christsein zeichnet sich besonders aus durch beharrliches Beten und Wachsein für die Wiederkunft Christi.

von Klaus Korfmacher

Diese Wichtigkeit ist verdeckt. Die eigenartige Vorstellung von Gott springt als erstes im heutigen Evangelium ins Auge! Will Gott so dargestellt sein? Im Bild des knorrigen, sich vor niemand fürchtenden Richters? Und da ist die bleibend-­bittende „schlagfertige“ Witwe – schlechthin Symbol der Hilflosigkeit vor ihm. Sie fordert Recht gegen einen ihr feindlich gesinnten Menschen. Das Anliegen ist nicht bekannt. Die Haltung der Beharrlichkeit der Frau wird sichtbar. Der Richter windet sich, will lange nichts mit diesem Fall zu tun haben. Im Selbstgespräch erklärt er sich. Er fürchtet die Ausdauer der Frau und dass sie ihn schluss­endlich sogar schlagen könnte.

Dieses Gleichnis dient Jesus den Jüngern (der lukanischen Gemeinde und uns) zu verdeutlichen, dass wir „allezeit“ beten und ausdauernd „nicht nachlassen sollen“, Gott zu bitten.

Drei Themen also: das unermüdliche Beten, das Gleichnis als Belehrung und der Glaube, den der Menschensohn am Ende der Zeit wiederfinden will. Es soll ein ermutigendes Wort sein unter dem Verweis, dass der Menschensohn (zum Gericht!) wiederkommen soll (um Recht zu sprechen!).

Offensichtlich stehen für Jesus Glauben und Beten in Korrelation. Die Folie für das Anliegen Jesu ist seine eigene Gottesbeziehung und sein Beten. Beten ist nicht immer Lob, nicht Dank, nicht Bitte, nicht Klage. Beten ist für viele „schreien“. Darum orientiert sich für Jesus das menschliche Beten am eigenen Gebet, am hohepriesterlichen Eintreten vor Gott für die Welt.

So formuliert der Hebräerbrief treffend: „Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht“ (Heb 5,7). Der, dessen Glauben vorbildlich ist, wird auch zum Vorbild für das Beten. So rät der „Herr“ die Worte des Richters zu bedenken!

Der Menschensohn kennt die Mächtigkeit Gottes. Gott braucht keine Rücksicht. Er nutzt die Vorsicht. Und der Herr kennt Gottes Liebe zu den „Auserwählten“.

Gott wird nicht zögern, denen, die unermüdlich schreien, zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Erwähnung der Wiederkunft des Menschensohnes, um Recht zu sprechen, ist Ermahnung, gläubig zu beten.

Es bleibt ein eigenartiges Gefühl bei diesem Evangelium. Hier kann kaum etwas Gott schönreden. Gott macht in der Vorstellung Jesu keine angenehme Figur, er lässt sich vergleichen mit einer unsympathischen Gestalt. Er zeichnet sich als der, der Angst hat, der befürchtet, geschlagen zu werden. Jesus zeigt einen dunklen, fremden Gott. Vielleicht bewusst, um die Gottes­erfahrung vieler Beter aufzugreifen, die bitten und nicht das Richtige erhalten bzw. leer ausgehen. Dagegen die namenlose Frau. Sie wird gezeichnet als wache taffe Kämpferin für ihr Recht. Sie bleibt lästig, sie schreit!

Mit einer Frage fordert der Herr auf, aus dem Selbstgespräch des Richters zu lernen. Jesus führt vom Schlechteren (Richter) zum Besseren (Gott). Josef Ernst († 2012), Exeget in Paderborn, schreibt in seinem Lukaskommentar: „Gott kann nicht mit dem ungerechten Richter verglichen werden. Das Motiv für die Gebetserhörung ist hier wie dort völlig verschieden. Die Pointe der Erzählung ist allein die Gewissheit: wenn schon der gottlose Richter sich bewegen lässt, um wie viel mehr Gott selbst, der der Vater ist.“

Für uns gilt: Ausdauer behalten, wach bleiben und beten. Gott hört und handelt auf seine Weise.

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