Falsche Höflichkeit

Ein Kommentar von Matthias Nückel

kopie_von_479399_web_r_k_b_by_erich_westendarp_pixelio
Skulptur vor dem Alten Rathaus in Backnang, Baden-Württemberg. Foto: Bernd Westendarp / pixelio
veröffentlicht am 08.08.2019
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Die Veranstaltungen während der Libori-Woche stoßen in der Regel nur auf regionales Interesse in Zeitungen und im Rundfunk. In diesem Jahr aber erreichte der „Tag des Handwerks“ bundesweite Aufmerksamkeit – aus einem unrühmlichen Anlass.

Denn ein Satz des Festredners Clemens Tönnies, Miteigentümer der Tönnies Lebensmittel, rief breites Entsetzen hervor. Er entschuldigte sich – doch zu spät.

Der Unternehmer hatte in seinem Vortrag gesagt, man solle jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenns dunkel ist, Kinder zu produzieren“, so Tönnies wörtlich. Diese rassistische Äußerung stieß auf heftigen Widerspruch – vor allem auch aus den Reihen des FC Schalke 04, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Tönnies ist. Ehemalige Spieler wie Gerald Asamoah oder Hans Sarpei fühlten sich persönlich beleidigt, denn sie sind afrikanischer Abstammung. Zudem steht der Fußballverein aus dem Ruhrgebiet seit seiner Gründung für die Integration von Zuwanderern und gegen Rassismus ein.

Doch während bundesweit die Wellen hochschlugen, war die Reaktion des Publikums beim „Tag des Handwerks“ gelinde gesagt eigenartig. Nach einem kurzen Raunen folgte Applaus für die Rede von Tönnies – von Widerspruch seitens der Veranstalter oder aus dem Publikum keine Spur.

Vielleicht haben die Zuhörerinnen und Zuhörer ja nicht aus Zustimmung geklatscht, sondern aus Höflichkeit – weil man eben einem Festredner immer applaudiert. Doch Höflichkeit ist bei solch rassistischen Tönen völlig falsch! Denn ein solcher Satz wie der von Clemens Tönnies ist einfach inakzeptabel und erfordert Widerspruch.

Weitere interessante Artikel auf DerDom.de
02.03.2024

 

 

 

 

Messdiener pilgern im Sommer nach Rom

Hunderttausende Kinder und Jugendliche ­engagieren sich als Messdiener. 35 000 von ihnen wollen an der Ministrantenwallfahrt teilnehmen.

weiterlesen
01.03.2024

 

 

 

 

Erzbistum Paderborn betritt Neuland

Prälat Thomas Dornseifer installiert Dr. Nils Petrat als Pfarrer der Pfarrei St. Dionysius Herne und ernennt Stefan Kaiser zum Pfarrbeauftragten und Ludger Keite zum moderierenden Priester des Pastoralen Raumes Pastoralverbund Dortmund-Nordost.

weiterlesen
01.03.2024

 

 

 

 

Digitalisierung verändert das Trauern

Können Menschen durch Digitalisierung unsterblich werden? Was macht es mit Trauernden, wenn sie durch KI in die Lage versetzt werden, mit Toten sprechen zu können?

weiterlesen