Gießkannengespräche

Geistlicher Glaubensimpuls

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Foto: Fritz Zühlke / pixelio
veröffentlicht am 04.07.2019
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

In diesen heißen Tagen führt der Weg morgens nicht direkt ins Büro, sondern zum Friedhof, um den Großeltern eine Kanne Wasser zu bringen. Der Friedhof ist zu dieser Zeit relativ bevölkert und man trifft sich, wie in alten Zeiten, am Brunnen.

An diesem Ort kommt man schnell ins Gespräch, weil es gemeinsame Erfahrungen und gemeinsame Anliegen gibt: „Ganz schön warm schon.“ „Wenigstens sind genug Gießkannen da.“ So was halt, aber manchmal reichen die Gespräche tiefer und es gibt Geschichten von Trauer, von Freundschaftsdiensten der Hinterbliebenen: „Dies ist meine Tante, dann gieß ich noch bei einer Nachbarin und dahinten liegt eine Freundin, da geh ich auch hin.“

Am Brunnen spielt auch eine bekannte Szene aus dem Johannesevangelium: die Begegnung Jesu mit der Samariterin. Die beiden führen ein hochinteressantes Gespräch miteinander, die Stimmung ist irgendwie gereizt, jedenfalls ist es nicht das, was man sich heute gemeinhin unter einem seelsorglichen Gespräch vorstellt. Jesus agiert mit einer Mischung aus Erschöpfung und Machotum, immerhin treffen sie sich in der Mittagshitze und da erlebt man ja derzeit selbst, dass man da nicht gerade sprüht vor Lebendigkeit. Die Frau ist nicht auf den Mund gefallen, sie pariert selbstbewusst und fordernd. Das Leben hat ihr wohl schon manches abverlangt, so weiß sie sich zu wehren und ist nicht voreilig beeindruckt. Auch von Jesus und seinen durchaus indiskreten Einlassungen über ihr Leben nicht. Am Ende aber offenbart er sich ihr und sie wird in ihrer Heimat zu einer Missionarin. Viele Leute kommen aufgrund ihrer Worte zum Glauben an ihn. Allerdings betont der Evangelist am Schluss, dass die Worte der Frau doch nicht so entscheidend waren, sondern die Leute sich selbst ein Bild gemacht haben. Nun ja …

Das Gespräch am Jakobsbrunnen beginnt mit der Bitte Jesu um Wasser. Es ist nicht ganz klar, ob sie es ihm gegeben hat. Erzählt wird, dass sie den Krug stehen lässt und in den Ort geht, um die Leute zu informieren. Es geht eben um einen anderen Durst, einen Durst, unter dem viele Menschen heute leiden. Manchmal reden sie davon – am Brunnen auf dem Friedhof.

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