„Die hatten keine Chance“

Der Delbrücker Martin Kolek als Gastredner auf dem Kirchentag

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Bei der „Sea-Watch 3“ in Palermo: EKD-Ratspräsident Bedford-Strohm und Martin Kolek (l.).Foto: Privat
veröffentlicht am 26.06.2019
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Dortmund/Delbrück. Das Schicksal der Menschen, die auf der Flucht an den Grenzen Europas sterben, war ein wichtiges Thema des zu Ende gegangenen Evangelischen Kirchentages in Dortmund. Mit dabei: Martin Kolek, Trauma­therapeut aus Delbrück. Er sprach während des Nachtgebetes in der überfüllten Reinoldikirche.

von Karl-Martin Flüter

Mindestens 35 597 Menschen sind seit 2002 bei der Flucht nach Europa ums Leben gekommen – die meisten bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Der Traumatherapeut Martin Kolek hat seit 2016 mehrfach auf dem Schiff „Sea-Watch 3“ an Rettungsaktionen auf hoher See teilgenommen und darüber ein Buch geschrieben.

Von den aufwühlenden Erfahrungen berichtete er auf Einladung der Kirchentagsorganisatoren in der Reinoldikirche. „Die hatten keine Chance“, sagte Martin Kolek über die ertrunkenen Menschen. So eingestimmt endete der Kirchentag am letzten Tag mit einer fulminanten Anklage des Kirchentagspräsidenten Hans Leyendecker: Politiker würden sich ihre Hände in Unschuld waschen – „in dem Wasser, in dem Menschen ertrinken“.

Martin Kolek gehörte einer Gruppe um den Ratspräsidenten der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-­Strohm, an, der Anfang Juni die „Sea-Watch 3“ im Hafen von Palermo besuchen wollte, aber von den italienischen Behörden nicht auf das Schiff der privaten Seenot­retter gelassen wurde.

„Es gehört zu den Grundpflichten des Menschseins und erst recht zu den christlichen Grundpflichten, dass man Menschen, die in Seenot sind, hilft“, sagte Bedford-­Strohm in Palermo.

Martin Kolek, der im Caritasverband Paderborn als Therapeut mit traumatisierten Flüchtlingen arbeitet, wird weiter für die „Sea-Watch 3“ tätig sein. Er hat ein Netzwerk mit Helfern in Süditalien aufgebaut. Immer wieder weist er mit Vorträgen auf das Schicksal der Flüchtlinge hin. In Dortmund hat seine Botschaft die Menschen erreicht.

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