Wohnung in ruhiger Lage gesucht

Gedanken zu Joh 14,23-29

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Foto: Michael Kopatz / pixelio
veröffentlicht am 23.05.2019
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Wenn Gott in uns und unter uns wohnen kann, werden wir in Ruhe und Frieden leben.

von Arnold Otto

Welch ein Text! Einmal lesen, zweimal lesen, dreimal lesen … und doch funkelt er bei jeder Lektüre wieder in anderen Farben, wie ein Brillant – 57 Facetten. Ungefähr so verhält es sich mit diesem relativ kurzen Evangelium. Am Anfang erscheint Jesus fast wie ein kleines Kind: „Wenn du nicht das machst, was ich will, bist du nicht mehr mein Freund!“ Etwas werkgerecht kommt die Stelle daher, und geht doch weit über eine reine Werkgerechtigkeit hinaus.

Kehren wir zurück zum Text: Jesus will in diesem Kapitel des Johannesevangeliums seinen Jüngern kurz vor seinem Abschied Trost und Frieden zusprechen. Er spricht von seinem Verhältnis zum Vater und vom Kommen des Beistandes, des Heiligen Geistes. Ihn wird der Vater senden, damit er als Tröstergeist den Jüngern in ihrer Angst und Verlassenheit beistehe.

Mehr noch: Jesus hatte seinen Jüngern versprochen, er werde zu seinem Vater gehen und ihnen einen Platz bereiten. Denn: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ (Joh 14,2). Jetzt spricht er davon, dass der Vater und er selbst kommen und bei dem Jünger Wohnung nehmen werden, der ihn liebt und sein Wort hält. So werden die Jünger in die Lebens- und Liebesgemeinschaft Gottes einbezogen.

Wo das geschieht, da werden als Frucht des Heiligen Geistes Freude und Frieden einkehren. Jesus sagt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch …“

Diese Worte kommen in jeder heiligen Messe vor und unmittelbar danach differenziert Jesus. So wie eine Wohnung einen Innenraum bietet, der Geborgenheit schenkt, soll auch dieser Friede ein innerer Friede sein. In diesem Frieden werden nicht Konditionen ausgehandelt und Verträge unterzeichnet. Es geht wohl um das, was man heute Resilienz nennt, wenn von einem Herzen die Rede ist, das sich nicht beunruhigen soll, auch wenn die äußeren Umstände dazu möglicherweise Anlass böten.

Ein bisschen ist das wie beim Physiotherapeuten oder Fitnesscoach, der erst verlangt, dass man diese oder jene Körperhaltung einnehmen soll, immer wieder korrigiert, und dann nahe dem Maximum der Anstrengung (oder Verkrampfung) sagt: „Und das Atmen nicht vergessen …“ Hier ist es das Atmen Gottes, eine Geborgenheit, eine Gewissheit, die uns in uns selbst ruhen lässt. Und indem wir das beherrschen, wird unser Inneres zu einem Ort, in dem auch Gott gerne Wohnung nimmt. Es ist eine heilige und heilsame Ruhe, weil Gott, das Ziel und die Sehnsucht unseres Lebens, in und unter uns wohnt.

Zum Autor:

Dr. Arnold Otto ist Leiter des Erzbistumsarchivs in ­Paderborn.

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