Wir sind keine Insel

„Mensch, wo bist du?“, fragt das Thema des MISEREOR-Hungertuches

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Erde aus dem Garten Getsemani hat Uwe Appold im Hungertuch verarbeitet. Foto: Härtl/MISEREOR
veröffentlicht am 07.03.2019
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Erzbistum Paderborn. In dieser Woche begann die MISEREOR-­Fastenaktion, für die alle zwei Jahre ein Künstler ein Kunstwerk, das Hungertuch, gestaltet. Uwe Appold hat das MISEREOR-­Hungertuch 2019/20 entworfen, eine abstrakte Arbeit, die Erde aus dem Garten Gethsemane einbindet.

von Karl-Martin Flüter

Uwe Appold ist ein starker Mann, einer, der anpacken kann. Den Dingen nahezukommen ist seine Sache. Wenn er im Atelier im Museumsdorf Unewatt im hohen Norden an seinen Bildern arbeitet, dann bindet er Gegenständliches ein, so als könne er die Beschränkung auf die Zweidimensionalität nicht aushalten.

Dieser Drang, unmittelbar zu werden, das zu Sagende direkt zu präsentieren, prägt auch das MISEREOR-Hungertuch, das Pilger in den kommenden zwei Jahren mit sich tragen werden.

Eine Sturzflut brauner Erde ergießt sich vom oberen Rand des Hungertuches in ein unendliches Blau. Leicht verschoben von der Mitte steht ein perfekter Kreis aus Goldplatten ein wenig abgehoben von der Leinwand. Auch er ist fassbar, begreifbar – ein Heiligenschein, der einen Schatten wirft.

„Mensch, wo bist du?“ Diese Frage stellt das Thema des MISEREOR-­Hungertuches 2019/2020. Uwe Appolds Werk beantwortet diese Frage, aber er zeigt nicht den Menschen. Was zu sehen ist, ist die Schöpfung, sagt der Künstler: die Erde, das Firmament, das Heilige. Auch die Worte. Und in der Mitte ein unfertiges Haus. Es sind die Dinge und die Erscheinungen, in denen sich die Menschen spiegeln und die ihm verantwortlich überlassen sind.

In der äußerst reduzierten Darstellung einer menschlichen Unterkunft wird der wichtigste inhaltliche Bezug des Künstlers am deutlichsten: Papst Franziskus. Dieser hat in der Enzyklika „Laudato Si“ vom „gemeinsamen Haus“ gesprochen – einem Haus, das in Gefahr ist.

Es gibt Menschen, die empfinden die nicht geschlossene Kontur als „unfertig“, sagt Uwe Appold. Aber wie der Papst stehe er für die Botschaft, dass der Wandel zu schaffen ist und das gemeinsame Haus ein wenig mehr fertiggestellt werden kann.

Uwe Appold, dieser auch mit 76 Jahren mit Energie geladene Mann, spricht viel über Verantwortung, wenn er über seine Arbeit für die MISERE-OR-­Fastenaktion spricht. Als Segler, der er sein Leben lang war, habe er gerne die Hundswache übernommen. Das sind die Stunden zwischen den letzten Nacht- und den ersten Morgenstunden, in denen alle unter Deck schlafen und nur ein Mensch an der Pinne wacht. Dieser Mensch trägt die Verantwortung für alle, ganz allein.

Dieses Gefühl der Verantwortung habe er immer gesucht, sagt der Künstler, das wolle er vermitteln. Den heiligen Ernst, der einen in der Einsamkeit auf dem Meer überkommen mag, findet Uwe Appold auch in der Rede des Papstes über die Schöpfung, etwa wenn Franziskus in „Laudato Si“ über die Bewahrung der Schöpfung predigt.

Am handgreiflichsten wird die Schöpfung in der Erde, den Krumen des „Mutterbodens“, der jeden Ort dieser Welt auf eine bestimmte Art prägt. „Erde bedeutet Heimat“, sagt Uwe Appold.

Das Hungertuch ist nicht die erste Arbeit Uwe Appolds, in der er Erde verarbeitet hat. Die Erde auf dem Hungertuch-­Bild kommt jedoch von einem ganz besonderen Ort, dem Garten Gethsemane in Jerusalem. Ein Sack dieses wertvollen Bodenschatzes wurde dem Künstler ins Atelier geliefert.

In der Erde aus Jerusalem fand er zwölf – welch ein Zufall – Steine. Auch sie sind in die Komposition eingebunden. In Magentarot umrandet wirken sie wie wertvoller Schmuck oder wie leidvolle Erinnerungen, wie Spuren verlorenen Blutes oder wie die Krisenherde auf den Weltkarten unserer Nachrichtensendungen.

Den ganzen Text und weitere Fotos finden Sie in der Printausgabe des Dom Nr. 10 vom 10. März 2019

Literaturhinweis: Weitere Bilder Appolds sind im Garten Getsemani entstanden. Sie sind in einem Buch im Bonifatiusverlag erschienen: Mit IHM allein.

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