Häusliche Gewalt gegen sterbende Menschen?

Arbeitsgemeinschaft Hospizbewegung im Erzbistum Paderborn beschäftigt sich mit brisantem Thema

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veröffentlicht am 05.12.2018
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Paderborn (cpd). Kommt häusliche Gewalt auch bei der Pflege und Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase vor? Mit dieser brisanten Frage hat sich die Arbeitsgemeinschaft Hospizbewegung im Erzbistum bei ihrer Mitgliederversammlung in Paderborn auseinandergesetzt.

Die Antwort des Gastreferenten Prof. Dr. Dr. Rolf Hirsch, Psychiater und Psychologe mit dem Schwerpunkt Gerontologie aus Bonn, ist eindeutig: „Ja, es gibt häusliche Gewalt an Pflegebedürftigen, begangen durch Kinder oder Ehepartner.“ Aber anders als bei der Gewalt gegen Kleinkinder gebe es bei körperlich misshandelten Senioren keine genau definierten Verletzungen, die Ärzten und Pflegepersonal einen eindeutigen Rückschluss auf Gewalterfahrungen ermöglichen würden.

Dies mache die Aufdeckung und Verfolgung von Körperverletzungen bei Pflegebedürftigen oder Sterbenden schwer, sagte Hirsch. Provokant fragte Hirsch die Vertreter der 52 katholischen Hospiz- und Palliativeinrichtungen im Gebiet des Erzbistums, ob es wirklich stationäre Hospize und andere Einrichtungen der Palliativmedizin brauche, um in Deutschland in Würde sterben zu können?

„Sind andere Einrichtungen wie Altenheime oder Krankenhäuser unwürdige Sterbe­orte?“, fragte der Psychologe und forderte einen besseren Personalschlüssel in der Pflege als Grundvoraussetzung für ein würdevolleres und „besseres“ Sterben.

Als unangemessene Versorgungen in der Sterbephase beschrieb Hirsch Fälle, in denen etwa sterbende Menschen und deren Familie sich aufgrund mangelnder Aufklärung nicht bewusst seien, dass der Tod unmittelbar bevor stehe. Als eine Form von Gewalt bezeichnete er auch, wenn Patienten unter starken und nicht kontrollierten Symptomen wie Schmerzen und Unruhe versterben würden.

Hirsch ging nicht nur auf Gewalterfahrungen von Pflegebedürftigen, sondern auch von Pflegepersonal ein. Diese seien nicht selten Opfer von Übergriffen: „Sie alle kennen dies: Im verwirrten Zustand eines an Demenz erkrankten Menschen kann es sein, dass er um sich schlägt.“

Im Rahmen der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft wurde ein neuer Vorstand gewählt. Diesem gehören neben Geschäftsführer Christopher Durst an: Bernd Müller (Caritas-Sozialstation Lippstadt), Ursula Elisa Witteler (Ambulanter Hospizdienst „Sternenweg“ Arnsberg), Marion Eichhorn (Heilig-Geist-­Hospiz Unna), Birgit Wonderschütz (Seniorencentrum St. Laurentius Löhne), Gabriele Kösters (St.-Marien-Hospital Hamm), Sabine Breimann (Caritas-­Konferenzen im Erzbistum Paderborn), Pfarrer Thomas Siepe (Diözesanbeauftragter für die Hospizseelsorge, Arnsberg), Gerd Eisenberg (Hospizkreis Balve) und Frank Decker (Caritas-Station Attendorn).

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