Apocalypse now?

Gedanken zu Lk 21,25-28.34-36

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Apokalypse mit Ausweg. Foto: Jean Wimmerlin/unsplash
veröffentlicht am 29.11.2018
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Unser Leben in der Nachfolge Jesu ist Vorbereitung auf die Begegnung mit ihm bei seiner Wiederkunft.

von Marc Retterath

Der Advent – viele Menschen verbinden damit den Wunsch nach einer besinnlichen, ruhigen Zeit. Zu solch einer positiven Stimmung passen die Verheißungen der ersten Lesung aus dem Buch Jeremia. Er kündigt an, dass das Heilswort sich erfüllt, dass jemand kommen wird, der für Recht und Gerechtigkeit sorgt im Land, der Rettung und Sicherheit verheißt.

Diese besinnliche Stimmung durchbricht das Evangelium nach Lukas wie ein Paukenschlag: Ganze Völker werden bestürzt und ratlos sein, die Menschen werden vor Angst vergehen, das Meer wird toben und donnern, die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Er beschreibt die Apokalypse und bietet damit die Vorlage für etliche Hollywood-­Filme. Der Weltuntergangs­thriller ist inzwischen ein eigenes Filmgenre geworden mit immer besser werdenden Spezialeffekten. Kommt so der Retter der Welt, unser Herr Jesus Christus, zurück?

Lukas verbindet sein bewusst übertrieben geschildertes Szenarium mit einer eindringlichen Warnung: Lasst euch durch die Sorgen des Alltags nicht verwirren, damit euch dieser Jüngste Tag nicht plötzlich überrascht. Wacht und betet allezeit!

Nun kann man sagen: Ach, das ist doch alles sehr theatralisch, und der Weltuntergang, ist das nicht Science-Fiction? Wir wissen zwar, dass spätestens in fünf Milliarden Jahren die Sonne erstirbt und damit auch die Erde, unsere Welt, untergehen wird. Aber das betrifft unser Leben jetzt doch nicht … Die Wahrscheinlichkeit, dass wir das erleben, geht wirklich gegen null.

Aber, was ist denn mit unserem „privaten Weltuntergang“? Auf den werden wir nicht so lange warten müssen und er kommt mit einer garantierten Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent. Unser Untergang kann in 10, 20 Jahren sein, der kann aber auch morgen schon kommen. Theoretisch könnte ein jeder von uns gleich auf der Treppe stolpern und so unglücklich auf den Kopf fallen, dass es aus wäre. Und das ist eben nicht nur eine theoretische Möglichkeit. So etwas passiert ja wirklich immer und immer wieder, niemand ist davor sicher. Wären Sie bereit dafür, in fünf Minuten vor Gott selbst zu stehen? – Nun, wenn wir immer dieses Damoklesschwert vor Augen hätten, könnten wir wohl gar nicht mehr normal leben. Aber wir dürfen es auch nicht verdrängen. Jesus wird wiederkommen. Oder, was aktuell wahrscheinlicher ist, wir gehen zu ihm. Das ist eine im wahrsten Sinne des Wortes todsichere Sache. Auf diese Begegnung will uns der Advent vorbereiten. Dafür stehen die liturgischen Texte des ersten Adventssonntags: „Ihr habt gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen … werdet darin noch vollkommener“ (zweite Lesung) – „Wacht und betet allezeit, damit ihr … vor den Menschensohn hintreten könnt“ (Evangelium) – „Bereitet euch mit Taten der Liebe auf seine Ankunft vor“ (Tagesgebet) – „Wenn Christus wiederkommt, werden wir empfangen, was wir jetzt mit wachem Herzen gläubig erwarten“ (Präfation) – „Zeige uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche“ (Schlussgebet).

Zum Autor:

Pastor Dr. Marc Retterath ist Kirchen­anwalt und Ehebandverteidiger am Erzbischöflichen Offizialat Paderborn und Seelsorger im Pastoralen Raum An Egge und Lippe.

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