Wenn ich einmal tot bin …

Geistlicher Glaubensimpuls

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Foto: 3format/photocase
veröffentlicht am 15.11.2018
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

(Fürs Protokoll, zum Ausschneiden, Aufbewahren, an den Kühlschrank hängen, Weitergeben:)

von Claudia Auffenberg

 

Wenn ich einmal tot bin, dann beerdigt mich dort, wo ihr gut hinkommt, wo ihr mich – auch nach einem Herbststurm – wiederfindet, und wo ihr mir Blumen und Kerzen bringen könnt. Vielleicht tut euch das gut! Ich freu mich auf jeden Fall darüber.

Wenn ich einmal tot bin, dann schweigt euch nicht an. Steht nicht stumm am Grab. Redet miteinander! Reicht euch die Hand, nehmt euch in den Arm. Das ist nichts Schlimmes! Das ist etwas sehr Menschliches. Es kann nichts passieren. Oder vielleicht doch: dass ihr Trost empfindet in der gemeinsamen Trauer.

Wenn ich einmal tot bin, dann kommt zusammen: in der Kirche, auf dem Friedhof und dann im Gasthaus. Und bleibt es eine Weile. Weint und lacht miteinander und trinkt auf mein Wohl. Ich habe nichts dagegen, wenn ihr trauert. Nicht, dass ich euch traurig sehen will, aber wenn mein Tod euch gar nichts ausmachte, würde mich das doch irritieren.

Wenn ich einmal tot bin, dann habe ich natürlich über all das nicht mehr zu bestimmen. Dann ist das alles eure Sache. Deswegen sind das nur Bitten. Ich versuche aber, so mit euch und unter euch zu leben, dass das für euch dann keine Last ist, sondern dass es euch gut und angemessen erscheint.

Und wenn einer von euch vor mir stirbt, dann würde ich es gern so ähnlich halten. Ich möchte jedenfalls nicht allein und still vor mich hintrauern. Ich möchte mich anlehnen können, mich an irgendwem festhalten können und mir ein Taschentuch ausleihen, weil ich meins wahrscheinlich wieder vergessen haben werde. Ich möchte mich an den, der gestorben ist, erinnern und von ihm erzählen und ich möchte von anderen hören, wie sie sich an ihn oder an sie erinnern. Und ich möchte mich nach der Beerdigung bei einem Kaffee aufwärmen und ein Stück Streuselkuchen essen, der doch in Wahrheit eine Delikatesse ist, und vielleicht möchte ich noch anstoßen auf den Menschen, den wir zu Grabe getragen haben, weil das ein guter und interessanter Mensch war, für den ich weiterhin und jetzt erst recht dankbar sein darf.

Merkt euch das bitte!

 

 

 

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