Ein offenes Rätsel

Geistlicher Glaubensimpuls

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Foto: Emily Morter / unsplash
veröffentlicht am 11.10.2018
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Der Physiker Harald Lesch kann im Fernsehen komplizierteste Dinge wie zum Beispiel Gravitationswellen so wunderbar erklären, dass man sie tatsächlich halbwegs verstanden hat. Nun gibt es eine Sache, die sogar er nicht versteht. Ein großes Rätsel für ihn ist, „warum wir Menschen eigentlich mit der Gabe ausgerüstet sind, auf der einen Seite viel über die Welt wissen zu können und uns doch sehr häufig genau wider besseres Wissen verhalten“. So sagte er es neulich im Radio.

von Claudia Auffenberg

Ja, warum ist das eigentlich so? Es ist die Frage, die uns Katholiken in diesen Tagen bewegt, bewegen muss. Das öffentliche Einprügeln auf die Bischöfe ist nicht unberechtigt, aber auch ein bisschen zu einfach.

Ja, keiner von ihnen ist erst seit gestern „Mitglied der Firma“. Die vielfach kundgetane Erschütterung kann man ihnen ganz sicher abnehmen, aber man würde doch gern mal wissen, worüber sie konkret jetzt erschüttert sind. Der Missbrauch an sich kann es nicht sein, so geheim war der nicht. Es wäre wichtig für sie, die ja auch unsere Brüder in Christo sind, wie auch für uns alle, diese Fragen offen und ehrlich zu beantworten. Vielleicht könnten wir dann zumindest eine Ahnung davon bekommen, warum der Mensch wider besseres Wissen handelt. Denn es sind nicht nur die Bischöfe, die Dinge verschwiegen haben, es sind viel mehr Menschen, im Grunde sind es wir alle.

Es gibt vieles, das wir wissen, aber gern übersehen. Wir wissen, unter welchen Bedingungen in Bangladesch die billigen T-Shirts produziert werden, wir wissen, was in Deutschland, sehr konkret in Westfalen, mit Werksarbeitern in der Fleisch­industrie los ist, wir wissen um die Einsamen und Kranken in der Nachbarschaft, die auf Besuch warten, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

Wie können wir das Gute, das wir kennen, auch tun? Wie können wir Opfern, die wir kennen, beistehen, wie? Vielleicht hilft das Liebesgebot Jesu: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. In diesen Tagen ahnt man, dass das kein Dekospruch für Wellnessoasen ist, sondern eine ziemlich brisante Angelegenheit sein kann.

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