13.09.2018

Königin der Angeln

Auf einem Schiff namens Hertha wurde einst der Berliner Fußballverein gegründet. Foto: Daniel Stricker / pixelio

Die heilige Hertha, die die Kirche am 20. September feiert, hieß mit vollem Namen Hereswitha, war Ende des 7. Jahrhunderts Königin der Angeln. Gedanklich gerät man bei diesem Wort ja gleich ans Wasser, was – wie man zum Ende dieses Beitrags erfahren wird – gar nicht so falsch ist, zum anderen aber im konkreten Fall nicht richtig ist.

von Claudia Auffenberg

Denn hier ist mit Angeln ein germanisches Volk gemeint, das zunächst im Norden des heutigen Schleswig-Holsteins lebte und in Teilen später auf die britischen Inseln ausgewandert ist, weswegen dort ein Teil der Leute heute Engländer heißt. Die Angeln gehörten zu den sogenannten Nerthusstämmen, sie verehrten besonders die Göttin Nerthus. Diesen Namen bitte merken!

Zurück zur heiligen Königen, die auch eine gute Mutter war. Ihre Kinder, so ist es überliefert, zog sie zu verantwortungsvollen Menschen heran, immerhin vier wurden später ebenfalls heiliggesprochen. Als ihr Gemahl von politischen Gegnern ermordet worden war, musste die Königin aus England fliehen und fand in Frankreich Zuflucht. Hier trat sie in das Kloster Chelles ein, wo sie als Ordensfrau, immer eine natürliche Würde ausstrahlend, ein heiligmäßiges Leben führte. Sie starb gegen Ende des 7. Jahrhunderts. So steht es auf der Internetseite katholisch.de. Aber weil man natürlich etwas breiter recherchieren will, fragt man das Internet, was es denn sonst noch so zu Hertha gibt. Und klar, man landet bei einem Fußballverein: Hertha BSC. Fußball und Kirche, das passt ja wunderbar, darüber haben schon viele gepredigt, weil es eben so viele Parallelen gibt. So finden sich etwa im „Hertha-Loblied“ Sätze, die man als treuer Katholik auch über die eigene Kirche singen könnte: „Du bist alles, du bist nicht fertig. Du kannst uns richtig schlechte Laune machen, aber du hast ein gutes Herz.“ Aber wir schweifen ab. Widmen wir uns lieber der Frage, warum die Hertha BSC eigentlich Hertha heißt und so landen wir nun am Wasser bzw. auf dem Wasser. Der Verein wurde nämlich 1892 bei einer Dampferfahrt auf dem Wannsee auf einem blauweißen Schiff namens Hertha gegründet. 1886 wurde es zu Wasser gelassen, einen Tag bevor die damals zwölfjährige Tochter des Reeders Geburtstag hatte. Das Mädchen hieß: Hertha. Damals im 19. Jahrhundert war das einer der beliebtesten Mädchennamen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts sank die Beliebtheit dramatisch, heutzutage gibt es nur noch wenige Herthas, mindestens zwei fallen einem doch ein: Hertha Däubler-Gmelin und die Literaturnobelpreisträgerin Hertha Müller. Sogar das Schiff büßte zwischenzeitlich seinen Namen ein und hieß zu DDR-Zeiten „Seid bereit!“, seit 2002 kann man wieder auf der MS Hertha durch Berlin schippern.

Der Name Hertha ist übrigens eigentlich ein Fehler, er beruht auf der falschen Wiedergabe des Göttinnennamens Nerthus, aus dem irgendwer Herthus und dann die Hertha gemacht hatte. Na bitte, das alles hätten wir doch nicht erfahren, wenn es nicht im England des 7. Jahrhunderts eine heilige Königin gegeben hätte.

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