Der Heimatlose

Über den heiligen Kilian

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Würzburgs Mitte: die Neumünsterkirche mit der schwarzen Kuppel und der Kiliansdom direkt nebenan. Foto: Markus Hauck (POW)
veröffentlicht am 05.07.2018
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Am heutigen Sonntag feiert die Kirche den heiligen Bischof Kilian. Eigentlich feiert sie ihn nicht, denn an Sonntagen ist das immer so eine Sache. Im Direktorium, also im liturgischen Kalender, steht in solchen Fällen: „Der G des hl. Kilian und der Gefährten entfällt in diesem Jahr.“ G steht für gebotener Gedenktag.

von Claudia Auffenberg

Aber da wir im Jahr des Domjubiläums sind und Kilian einer dessen Patrone ist und das Lesen dieses Beitrages im engeren Sinne keine liturgische Handlung ist, können und sollten wir uns ihm widmen. Zumal man in Zeiten wie diesen durchaus auch Männer und Frauen gebrauchen könnte, die Missionare sind und in Europa für den christlichen Glauben werben.

Nun muss man sagen, dass alles, was man über den heiligen Kilian weiß, eher Legenden sind, aber auch Legenden erzählen von der Wahrheit, obgleich die Fakten vielleicht im historischen Sinne nicht korrekt sind.

Kilian wurde im 7. Jahrhundert in Irland geboren. Irgendwann schloss er sich einer Bewegung an, die die Nachfolge Christi in einer ziemlich radikalen Folge, der Heimatlosigkeit, leben wollte. Er kam ins Frankenland, wo es einen Fürsten namens Gozbert gab, den er bekehrt haben soll. Was die Menschen für Kilian und seine Gefährten besonders eingenommen hat, war, dass die Iren sich sehr gut mit dem auskannten, womit die Franken ihr tägliches Leben bewältigten: Ackerbau, Holz- und Viehwirtschaft. So waren die Missionare nicht nur Verkünder des Glaubens, sondern auch Entwicklungshelfer.

Im Sommer 686 oder 687 reiste er nach Rom, um vom Papst für sich und seine Gefährten Kolonan und Totnan den Missionsauftrag für Thüringen zu holen. Doch es kam anders, denn es gab Ärger mit dem Fürsten. Dieser lebte nämlich mit der Witwe seines Bruders, Gailana, zusammen, was damals kirchlich nicht gestattet war. Gozbert folgte der Aufforderung, doch Gailana schwor Rache. Als der Herzog auf Kriegszug war, ließ sie die Missionare ermorden, verscharrte sie im Gelände und ließ darüber einen Pferdestall errichten. Doch die Pferde scheuten der Legende nach in diesem Stall. Als Gozbert zurückkam und von der Tat erfuhr, ließ er die Leichname ausgraben, sie waren noch unversehrt. Der, der die Tat ausgeführt hatte, gestand und beging Selbstmord, Gailana verfiel dem Wahnsinn und der Herzog wurde ermordet. In alldem, so kann man es mehrfach nachlesen, habe das Volk die Kraft der neuen Religion erkannt und sich zum Christentum bekehrt. Nun ja, es waren eben andere Zeiten. Einerseits. Andererseits, dass die Mächtigen vom Wege abkommen und – sagen wir – irgendwie merkwürdig werden, ist natürlich ein Phänomen, das man auch heute noch kennt. Die Stärke des Christentums würde daraus allerdings heute niemand mehr ableiten.

Der heilige Kilian starb etwa um 689 in Würzburg. Um 800 wurde er zum fränkischen Reichsheiligen ernannt, seine Gebeine wurden in den ersten rechtsmainischen Dom übertragen. Heute ruhen die Reliquien Kilians und seiner beiden Gefährten in der Neumünsterkirche in Würzburg, ihre Häupter im dortigen Dom. Die beiden ersten Paderborner Bischöfe Hathumar und Badurad brachten die Verehrung und einige Reliquien nach Paderborn, sodass es hier einige sehr alte St.-Kilians-­Kirchen gibt, etwa in Lügde oder in Lichtenau.

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