Der Standhafte

Die tragische Geschichte um einen großen Geist

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Thomas Morus, porträtiert von Hans Holbein. In seinem Werk „Utopia“ schildert er das perfekte Gemeinwesen. Er ist Patron der KjG (Katholische junge Gemeinde) und der Politiker. Foto: wikicommons
veröffentlicht am 13.06.2018
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Im Nachklang höfischer Groß­ereignisse bei den Windsors bietet der Heiligenkalender noch ein bisschen royalen Glanz, allerdings auch die ganze Bitterkeit der hohen Politik. Am 22. Juni feiert die Kirche den heiligen Thomas Morus, Lordkanzler, Staatsphilosoph, Verteidiger des katholischen Glaubens gegen Martin Luther und schließlich auch gegen den eigenen König

von Claudia Auffenberg

Geboren wurde er 1477 oder 1478 in London in einem gebildeten Elternhaus. Nach der Schule kam er als Page in den Haushalt des Erzbischofs von Canterbury, wo er seine ersten, prägenden Begegnungen mit den führenden Humanisten seiner Zeit hatte. Später studierte er Jura, prüfte aber zunächst, ob er zum Priester berufen sei. Da er diese Berufung nicht verspürte, blieb er bei der Juristerei, er wurde Anwalt und mit 26 Jahren Mitglied des Parlamentes. Kurz danach, wir sind im Jahr 1505 angekommen, heiratete er; aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Thomas führte im besten Sinne des Wortes einen katholischen Haushalt: fromm, offen und gastfreundlich. Als Erasmus von Rotterdam, einer der ganz großen Denker dieser Zeit, für ein paar Monate in London weilte, lebte er im Hause Morus. 1511 starb Thomas‘ Frau, er heiratete Alice Middleton, die Tochter eines Textilkaufmannes. Bei dem Namen klingelt natürlich bei uns Heutigen was und laut Wikipedia kommt nun eine interessante Note hinein. Demnach ist nämlich Kate Middleton weitläufig verwandt mit Anne Boleyn, jener Frau, die das Ende des herausragenden Denkers Thomas Morus einläutete. Dieser war 1518 zum Sekretär des Königs Heinrich VIII. aufgestiegen, der ihn besonders als Humanisten schätzte. Als die Reformation nach England überschwappte, wurde Thomas ein wortgewaltiger Verteidiger der katholischen Kirche und seines – noch – katholischen Königs. Heinrich, verheiratet mit einer Spanierin, unterhielt nebenbei eine Beziehung zu seiner Hofdame, jener Anne Boleyn, denn er brauchte einen Thronfolger, den ihm seine Frau nicht gebären konnte. Als der Papst die Annullierung der Ehe verweigerte, betrieb der König die Loslösung von Rom und hoffte auf Unterstützung seines Sekretärs. Doch der verweigerte sich. Gottes Wille konnte er in dem Verhalten des Königs nicht erkennen. Das Verhältnis verschlechterte sich mehr und mehr. 1532 trat Morus als Lordkanzler zurück, er kam nicht zur Krönung der neuen Königin und verweigerte schließlich den Eid auf die neue Verfassung, in der sich der König zum Oberhaupt der neuen, anglikanischen Kirche erklärte. Thomas Morus wurde in Haft genommen und in den Tower gesperrt, seine Familie wurde geächtet und verarmte. Am 6. Juli 1535 wurde er enthauptet. Seine Tochter Margret, von der es heißt, sie sei eine der gebildetsten Frauen Europas gewesen, durfte zunächst nur seinen Rumpf, später dann auch sein Haupt bestatten.

Erasmus von Rotterdam würdigte ihn in einem Nachruf als einen, „dessen Seele reiner war als der reinste Schnee, dessen Genius so groß war wie England nie einen hatte, ja nie wieder haben wird“.

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