„Den Durchblick behalten“

Sehvermögen als Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe

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Foto: Tim Reckmann / pixelio Gruppenfoto: Schlecht sehen ist ein Problem (v. l.): Marcin Gawel, Chiona Toggas, Simone Brandt, Marc Grob, ­Peter Rienhöfer, Claudia Middendorf, Matthias Krieg, Ilona Schäfer, Katja Dördrechter, Stefan Simon, Dr. Gabrielle von Schierstaedt, Franz Kudak, Stefanie Glaßmeyer. Foto: Heringhaus
veröffentlicht am 05.01.2018
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Hagen. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland sind auf eine Sehhilfe angewiesen. In der Altersgruppe 60 Jahre und älter liegt der Anteil bei über 90 Prozent. Wer schlecht sieht und keine passende Brille hat, zieht sich häufig mehr und mehr aus dem öffentlichen und privaten Leben zurück. Oder die Betroffenen sind aufgrund von Stürzen nicht mehr ausreichend selbstständig mobil. Der Schritt in die Isolation in den eigenen vier Wänden ist damit oft nicht fern.

„Das ist in Deutschland doch kein Problem!“ – sollte man meinen, mit Blick auf die zahlreichen Optiker hierzulande. Jedoch sieht die Sozialgesetzgebung nur vereinzelt eine finanzielle Unterstützung vor. Für Menschen mit kleinem Einkommen ist das ein echtes Problem.

Grund genug für die Malteser und die Vinzenzkonferenzen, diesem Thema einen Fachtag zu widmen. Unter dem Motto „Den Durchblick behalten – Nur passende Brillen ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe“ hatten beide Verbände in das Katholische Bildungszen­trum für Gesundheits- und Pflegeberufe in Hagen eingeladen. Dieser Veranstaltungsort war nicht zufällig gewählt. Denn hier konnten sich über 100 künftige Pflegekräfte mit ihren Lehrern und ehrenamtlichen Maltesern für das Thema sensibilisieren.

Zum Einstieg stellte Dr. Ga­brielle von Schierstedt, Bundesbeauftragte der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung, die Bedeutung des gesunden Auges und die Entwicklung der Augenkrankheiten in unserer Gesellschaft anschaulich dar. Anschließend vertieften die Tagungsgäste das Thema in Workshops, beispielsweise zum Thema „Sehen und Demenz“. Menschen, die an einer demenziellen Erkrankung leiden, können sich im Krankheitsverlauf immer eingeschränkter mitteilen – und so nicht selber auf Sehstörungen aufmerksam machen. Ein anderer Workshop thematisierte die Brillenfinanzierung, wenn die Eigenmittel fehlen – und weder Krankenkassen noch Jobcenter oder Grundsicherungsamt die Sehhilfe finanziell unterstützen.

Hier stellten die Vinzenzkonferenzen ihre Petition www.dendurchblickbehalten.de vor. Mit dieser wird an den Bundestag appelliert, sozialversicherungsrechtliche Regelungen zu verabschieden, die für Menschen mit kleinem Einkommen einen Zuschuss zum Kauf ihrer Brille vorsehen. Auch der Einblick in die Arbeit einer mobilen Augenarztpraxis stieß bei den Tagungsgästen auf reges Interesse.

Die anschließende Podiumsdiskussion bereicherte Claudia Middendorf, Patienten- und Pflegebeauftragte NRW. Aus zahlreichen Gesprächen nahm sie viele Anregungen für ihre politische Arbeit mit. Sie ermutigte dazu, sie in ihrer Funktion anzusprechen, wenn in Einzelfällen Probleme bei der Beschaffung einer notwendigen Brille bestehen. Problematisiert wurde auch, dass der Gang zum Augenarzt und Optiker für pflegebedürftige Menschen ein unüberwindbares Hindernis darstellen kann. Zwar gibt es Einrichtungen, bei denen ein entsprechender Besuch gewährleistet wird. Längst nicht überall gibt es allerdings Optiker wie den Schwerter Peter Rienhöfer, der Sehbedürftige in den Einrichtungen aufsucht.

Der Fachtag „Den Durchblick behalten“ ist ein Beitrag des Malteser Hilfsdienstes e. V. und der Vinzenzkonferenzen im Erzbistum Paderborn e. V. im Rahmen der Initiative „7 gegen Einsamkeit“. Diese organisieren die sieben karitativen Fachverbände im Erzbistum Paderborn gemeinsam. Mehr Infos unter: ­www.7gegeneinsamkeit.de

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