Katholische Verbände ohne Zukunft?

„Die Verbände sind keine Organisation zur Bespaßung der eigenen Mitglieder“

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Für diejenigen, die sich tiefer in die Problematik einlesen wollten, signierte Heinrich Wullhorst (links im Bild) sein Buch. Es kostet 14,90 Euro und ist im Bonifatius-Verlag erschienen. Foto: Steinhofer
veröffentlicht am 06.12.2017
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Witten. Der Autor, Journalist und PR-Berater Heinrich Wullhorst, den sein aktuelles Buch „Leuchtturm oder Kerzenstummel – Die katholischen Verbände in Deutschland“ quer durch die Republik treibt, machte Station beim diesjährigen Bezirkstag des KAB-Bezirksverbandes Hagen-­Iserlohn-Menden-Witten. Eine Aussage des Ruhrbischofs Franz-Josef Overbeck bei einer Veranstaltung hatte ihn aufgeschreckt. Mit Blick auf die Verbände hatte der Geistliche gesagt: „Diese Sozialformen haben keine große Attraktivität mehr“

von Meinolf Steinhofer

Daraus sei sein Buch entstanden, dessen Thesen der gelernte Jurist und Kommunikationsberater Heinrich Wullhorst in Kurzform den Delegierten der KAB vorstellte. Rund eine Million Mitglieder engagieren sich in den katholischen Verbänden. Mehr als die Mitglieder der politischen Parteien, die im Bundestag vertreten sind. Aber „wir haben keinen Einfluss mehr“ stellt er fest.

Früher gab es eine klare Zuordnung: die Handwerker bei Kolping, die Arbeiter bei der KAB, die Frauen bei der kfd. Jeder war in seinem Verband aufgehoben, hatte dort eine Heimat. Der Gedanke der Bildung durchzieht als „roter Faden die katholischen Verbände“. Doch alles verändert sich. Etwa 300 000 Mitglieder verlassen jährlich die Kirche. Das katholische Milieu löst sich auf. „Alles, was ,K‘ trägt, fällt auf unsere Füße“, beobachtet der 56-Jährige. Der „vorpolitische Raum“ ist verloren gegangen. Das Angebot der Kirche, „Heimat zu sein“, kann aufgrund des fehlenden Personals immer weniger verwirklicht werden. Es geschieht „ein Verlust an Nähe“.

„Dann sind die Verbände gefragt“, weiß der langjährige Öffentlichkeitsarbeiter. „Wir müssen zeigen, wer wir sind“, empfiehlt er und will die Frage beantwortet haben: „Wo(ran) sind wir noch erkennbar?“ Gemeinsam Kaffee trinken reiche da nicht, es müsse etwas mehr sein. Die Verbände müssen sich fragen: Wo ist der „Mehrwert“ unseres Verbandes? Und dann wurde er konkret und schlug den Delegierten vor: „Schreibt doch mal zu Hause auf, warum bin ich in der KAB und diskutiert es bei der nächsten Versammlung.“ Die Verbände seien keine Organisation zur Bespaßung der eigenen Mitglieder.

„Menschen Heimat geben“ wäre ein Ziel. Ein Politiker hatte ihm bei seinen Interviews eine Formel für die Verbände mitgegeben. Die Verbände „könnten/sollten Schutzpatrone der katholischen Soziallehre hier auf Erden sein“. Das erfordere aber größere Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von allen politischen Parteien. Und die Veränderungen der Verbände „muss von unten nach oben gedacht werden“. Also „schaut in euer konkretes Umfeld vor Ort – was kann dort unsere Aufgabe sein“, zeigt er einen ersten Ansatz auf.

In der anschließenden Diskussion fiel mehrmals das Wort „wachgerüttelt“. Beispiele aus den verschiedenen Ortsgruppen folgten. Oder – so hatte es Burghard Schlottmann, der ehrenamtliche Diözesansekretär der KAB im Erzbistum Paderborn, bereits in seinem Grußwort festgestellt –: „Es liegt an uns.“

Hier geht es zur Seite des Bonifatius Verlages.

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