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Tim Reckmann / pixelio.de
veröffentlicht am 02.12.2016
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Nein, sie sei nicht alternativlos, sagte Angela Merkel neulich bei Anne Will, jeder Mensch sei ersetzbar. Das ist mal wieder so eine Formulierung aus der Kategorie: „Wird immer gesagt, aber stimmt das eigentlich?“

von Claudia Auffenberg

Was Merkel meint, ist klar. Das Amt des Bundeskanzlers bzw. der Bundeskanzlerin ist nicht existenziell mit ihr verbunden. Es wird nach ihr einen Kanzler, eine Kanzlerin geben, und sie wird irgendwann nicht mehr Kanzlerin sein. So gesehen ist sie nicht alternativlos. So gesehen ist es niemand. Aber auch nur so gesehen! Joachim Sauer zum Beispiel wird vermutlich sehr wohl sagen, dass Angela Merkel alternativlos ist.

Schon als Kind in der Schule hat man doch gelernt, dass die Person des Lehrers nicht egal ist, sondern dass es Lehrer gibt, denen man gern zuhört, und andere, die man nicht versteht. Und jetzt in Zeiten pastoraler Räume muss man auch zugeben, dass zu Beginn der Messe der Blick etwas interessierter, vielleicht besorgter zur Sakris­teitür wandert, um zu sehen, welcher Priester herauskommt. Auch wenn das womöglich kirchenrechtlich egal ist und alle gültig zelebrieren: Der Stimmung des Sonntags ist einfach nicht jeder dienlich.

Mit dem Wort „alternativlos“ ist Angela Merkel aus nachvollziehbaren Gründen vorsichtig. Ihr Argument, die Griechenlandrettung sei alternativlos, hat eine Partei hervorgebracht, die sich Alternative nennt, obwohl sie es gerade nicht ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Und dass es für einen Politiker vielleicht keinen so guten Eindruck macht, von sich zu sagen, man sei alternativlos, ist auch nachvollziehbar. Dennoch möchte man Einspruch erheben und auf die Bibel verweisen. Man muss ja nur mal die erste Lesung dieses Sonntags lesen. Redet so ein Gott, dem der einzelne egal ist, der Menschen für austauschbar hält?

Nein, daher traut man sich zu sagen: Frau Merkel, als Mensch ist jeder alternativlos. Und unersetzlich. Auch Sie!

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