Wo Gott am nächsten ist

Die eigene Umwelt mit neuen Augen sehen – ein meditativer Rundgang mit Ullrich Auffenberg

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Der Brunnen plätschert leise, die Seele kann sich entspannen: im Innenhof des Hauses Emma Rose Foto: Flüter
veröffentlicht am 06.07.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Bad Wünnenberg-Haaren. Wer lange am selben Ort lebt oder arbeitet, wird unempfindlich für dessen Besonderheit. Diese Betriebsblindheit geht der Priester Ullrich Auffenberg auf eine spezielle Weise an. Unter dem Titel: „Wo wohnt Gott in unseren Einrichtungen?“, bietet er Führungen an. Im Haus Emma Rose in Haaren war er bereits.

Das Foyer im Haus Emma Rose finden alle Bewohner und Mitarbeiter gut. Hier trifft man sich, feiert zusammen. Hell und freundlich ist der Raum, „das ist eine Brücke in das Haus“, sagt eine Mitarbeiterin. Ullrich Auffenberg schaut in die Runde. Alle nicken, auch sie fühlen sich hier wohl.

Zusammen sind haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Haarener Caritas-Einrichtung unterwegs, um ihr Haus neu zu entdecken. Monsignore Ullrich Auffenberg, ihr Führer, kennt das Haus anders als seine Zuhörer nur von Fotos. Aber Ullrich Auffenberg hat einen Blick für Menschen und wie sie sich an bestimmten Orten verhalten. Als Priester kennt er die Traditionen und Gebräuche, die auch das Haus Emma Rose prägen.

Stephanie Neumann, Caritas-Fachbereichsleiterin und verantwortlich für die Häuser Emma Rose in Haaren und St. Clemens in Fürstenberg, hat Ullrich Auffenberg eingeladen. Sie hat von den spirituellen Rundgängen gehört, die er überall im Erzbistum anbietet. Ullrich Auffenberg ist als Referent des Diözesan-Caritasverbandes für die religiös-­pastorale Bildung von Mitarbeitern in kirchlichen Einrichtungen zuständig – die spirituelle Spurensuche im (Arbeits-)Alltag gehört dazu. Die meditativen Führungen sind beliebt. Auffenberg ist bis ins neue Jahr ausgebucht.

In Haaren steuert er zunächst bewusst nicht sakrale Räume an. Nach dem Foyer wechselt die Gruppe in den Innenhof von Emma Rose. Dort plätschert leise ein Brunnen, die hohen Mauern bieten Schutz, einige Bäume spenden Schatten. Wasser, Sonne, Baum: Das sind Symbole für die Natur, die Ureinheit des Lebens, sagt Ullrich Auffenberg und weil sich die Seele an diesem besinnlichen Ort spontan entspannt, sind die Zuhörer schnell überzeugt.

Weiter geht es zu einer kleinen Laube im Haus Emma Rose. Sie steht in einem Gang vor einem großen Fenster. Hier spricht Ullrich Auffenberg über den Himmel, der sich tatsächlich jenseits des Fensters sommerlich blau über den Horizont spannt.

Beim Erinnerungsbuch für Verstorbene, dem nächsten Halt, sprechen alle über Bewohner, die ihnen besonders nahe waren. Viele dieser Menschen wohnten sehr lange im Haus Emma Rose und sie müssen sich dort sehr wohl gefühlt haben. „Zu Hause ist man dort, wo man sich verstanden fühlt“, sagt Ullrich Auffenberg.

Der Rundgang endet in der Kapelle, auch dies ein stiller Ort, in den die Mitarbeiter manchmal mit aufgeregten Bewohnern gehen. Hier kommen sie zur Ruhe. An der Wand steht ein hölzerner Jesus, der sein Herz in der Hand trägt – eine merkwürdige Vorstellung, die aber an die christliche Forderung der Barmherzigkeit gemahnt. Dann öffnet Ullrich Auffenberg den Tabernakel und zeigt den Vorhang, der innen hängt. Eine Erinnerung an die Zeiten, als Gott bei den Juden einen Platz in einem eigenen Zelt hatte.

„Gott schlägt ein Zelt unter uns auf“, sagt Ullrich Auffenberg, „wo immer sich Menschen in seinem Namen vereinen, ist er unter uns.“

Das ist die Idee des meditativen Rundgangs. Es geht nicht um mystische Orte. Im Gegenteil, dort wo es am alltäglichsten zugeht, wo Menschen sich um andere kümmern, sagt Ullrich Auffenberg, „ist Gott am nächsten.“ Das heißt: Nicht suchen, sondern selber für andere tätig sein. Das ist die Botschaft dieser Führung, an deren Ende – auch das gehört dazu – sehr entspannte Teilnehmer wieder an die Arbeit gehen.

von Karl-Martin Flüter

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