Vom Kranken lernen

Geistlicher Glaubensimpuls

veröffentlicht am 06.07.2016
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Der Papst hat neulich kranke Priester besucht. Es war ein Termin anlässlich des Freitags der Barmherzigkeit im Jahr der Barmherzigkeit und es war ein Werk der Barmherzigkeit.

Und man darf vermuten, dass es einer der schöneren Termine war, die so ein päpstlicher Kalender aufzuweisen hat, auch wenn der Papst kein Ehrenamtler im klassischen Sinne ist.

Denn die, die ehrenamtlich kranke und/oder alte Menschen besuchen, sagen, diese Aufgabe gehöre zu den wirklich beglückenden Dingen, die man in seiner Freizeit tun kann. Weil man nämlich die Sinnhaftigkeit dieses Tuns schon im Tun erlebt, anders als z. B. in Gremiensitzungen.

Am Krankenbett erlebt man freudige Überraschung, auch Dankbarkeit: „Oh, toll, dass es sowas gibt!“ oder „Danke, dass Sie da waren!“ Das ist das eine. Das andere ist, dass ein Kranker eine andere Sicht auf das Leben hat. Er ist wie auch immer an eine Grenze geraten. Er stellt andere Fragen als ein Gesunder bzw. ein vermeintlich Gesunder. Er hat andere Prioritäten. Er hat nicht mehr die Dekoration des Lebens im Blick, sondern das Fundament des Lebens. Und wenn man ihm Gelegenheit gibt, dann redet der Kranke darüber, manchmal fragt er, manchmal klagt oder flucht er, manchmal weint er, manchmal spricht er über seine Erschütterung, seine Ängste und seine Hoffnungen. In seiner Gegenwart kann man auf andere, nämlich wesentliche Gedanken kommen. Ihm Gelegenheit geben, heißt, Zeit zu haben, und Zeit meint nicht Termin. Wer Zeit und ein hörendes Herz hat, kann viel erfahren von einem kranken und/oder alten Menschen. Über das Leben, über Gott.

Schade, dass wir unser Gesundheits- und Pflegesystem so organisiert haben, dass die Hauptberuflichen diese Zeit nicht mehr haben. Sie könnten so viel lernen. Vielleicht mehr als in mancher Fortbildung.

Claudia Auffenberg

Weitere interessante Artikel auf DerDom.de
26.02.2024

 

 

 

 

Kurzzeit-KZ und Adenauers Knast

Geschichte und Kultur vor den Toren Kölns: Vor 1 000 Jahren gründeten die Benediktiner in ­Brauweiler bei Köln eine Abtei. Ein Kloster, das in seiner Geschichte viele Funktionen hatte, denn die Gebäudenutzung war abwechslungsreich. Vor allem dunkle Kapitel stechen dabei hervor.

weiterlesen
26.02.2024

 

 

 

 

Hilfe, die dringend gebraucht wird

Sylvia Wawrzinek und ihr Team laden ­Menschen aus der Ukraine immer dienstags zum SprachCafé der Pfarrei St. Clara ein.

weiterlesen
26.02.2024

 

 

 

 

Wozu sind Sie da, Christoph Quasten?

Christoph Quasten leitet das Medienzentrum im Erzbistum Paderborn. Für ihn ist es die schönste berufliche Tätigkeit, die er sich vorstellen kann.

weiterlesen