Filigrane Kunst zur Ehre Gottes

Die Werkstatt für Paramentik in der Benediktinerinnen-Abtei Rietberg-Varensell

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Sr. Ruth leitet die Werkstatt für Paramentik der Benediktinerinnen-Abtei seit 2004. Foto: Wiedenhaus
veröffentlicht am 22.06.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Rietberg-Varensell. Ein feines Ornament aus golddurchwirkten Fäden auf weißem Stoff – auf den ersten Blick ist noch nicht genau zu erkennen, was entsteht. Mit sicherer Hand setzt Schwester Brigitte Stich an Stich. Kurz blickt sie auf: „Geduld ist das A und O“, sagt sie und lacht, ehe sie sachte mit der Hand über das filigrane Muster fährt. Die 73-jährige Ordensschwester arbeitet an einer Stola.

Es herrscht eine fast andächtige Stille hier im Stickatelier der Benediktinerinnen-Abtei in Rietberg-Varensell. Durch große Fenster fällt viel Licht in den Raum – unerlässlich für die Arbeit. Während Schwester Brigitte sich wieder ganz konzentriert der Stola widmet, sitzt einige Meter von ihr entfernt Sr. Andrea vor einem runden Stickrahmen. Gerade ist sie dabei, die letzten Stiche für einen Namen auf einem Taufkleid zu setzen.

„Die allermeisten Stücke, die unsere Werkstatt verlassen, sind natürlich liturgische Gewänder sowie Altar- und Kelchwäsche“, erläutert Schwester Ruth. Sie leitet die Werkstatt für Paramentik der Abtei seit 2004. Doch ab und zu, so die 57-Jährige, gebe aus auch Aufträge wie etwa das Taufkleid, das Schwester An­drea gerade bestickt: „Kürzlich haben wir auch Taufschals für eine Erwachsenen­taufe in einer Berliner Gemeinde angefertigt.“

Der Kreis der Kunden werde kleiner, erklärt die Benediktinerin mit Blick auf die abnehmende Priesterzahl: „Auf der anderen Seite kommen aber auch neue hinzu wie etwa Laientheologen, die sich Gewänder anfertigen lassen.“

Auf dem gleichen Flur wie das Stickatelier liegt die Nähwerkstatt, der Wirkungskreis von Schwester Adelgunde, Schwester Gertrud und Schwester Lioba. Auch Schwester Ruth arbeitet in der Schneiderei. Schwester Gertrud heftet grünen Stoff mit Nadeln zusammen, während Schwester Lioba und Schwester Ruth gemeinsam eine rote Stoffbahn ausrollen und auf dem großen Zuschneidetisch ausbreiten. Die Leiterin der Werkstatt nimmt den Stoff prüfend in die Hand: „Es sind ja nicht nur die Farben, die faszinieren, auch die unterschiedlichen Strukturen der Stoffe oder die Art, wie sie gewebt sind, bieten viele Möglichkeiten, sie zu kombinieren und so eine Wirkung zu erzielen, die sich vielleicht erst auf den zweiten Blick erschließt.“

In einem Regal an der Wand ist die Kundenkartei der Werkstatt zu finden. Dort ist jedes Teil verzeichnet, das hier angefertigt wurde – mit genauen Maßen, Skizzen, Beschreibung und Stoffprobe.

Keine übertriebene „Bürokratie“, sondern eine wichtige Informationsquelle für die Kunden wie für die Schwestern gleichermaßen. Etwa dann, wenn ein Stück ergänzt werden soll oder restauriert werden muss. Von der Qualität her könnten die Paramente aus der Varenseller Werkstatt viele Jahrzehnte halten, doch auch bei noch so sorgfältiger Behandlung lassen sich Abnutzung oder kleine Beschädigungen nicht vermeiden. „Unabhängig davon sind Paramente natürlich allein wegen der Stickereien empfindlich und brauchen besondere Pflege“, sagt Schwester Lioba.

Bis die Stoffe zugeschnitten werden und dann im Stickatelier ihre Ausschmückung erhalten, ist schon viel passiert – schließlich kommen die allermeisten Gewänder nicht „von der Stange“, sondern werden nach ganz individuellen Vorstellungen entworfen und gefertigt. „Dafür sollte man sich genügend Zeit nehmen“, beschreibt Schwester Ruth einen Prozess, an deren Ende nicht nur ein liturgisches Gewand mit seiner tiefen und speziellen Symbolik steht, sondern auch – ganz profan – ein Kleidungsstück.

Ein Punkt, den man, so die Leiterin der Paramentik-Werkstatt, nicht vergessen dürfe: „Alles muss tragbar sein, man muss sich darin gut bewegen können.“ Dieser Aspekt und die Tatsache, dass ein liturgisches Gewand im Gottesdienst auch optisch wirken solle, müsse so kombiniert werden, dass ein harmonisches Gesamtbild entstehe. Ein Erscheinungsbild, das allerdings weder Moden widerspiegeln noch „schick“ sein soll.

Im Ausstellungsraum können sich Interessenten Anregungen holen: Mappen mit Fotos und Entwürfen sind genauso vorrätig wie fertige Stücke: Sie zeigen anschaulich, was Schwester Ruth meint, wenn sie sagt, dass ein ideales liturgisches Gewand „Würde ausstrahlt, ohne zu protzen oder Prunk zur Schau zu stellen“.

Andreas Wiedenhaus

www.abtei-varensell.de

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