Befreiung aus dem Teufelskreis

Überschuldung und Krankheit gehören oft zusammen – Betroffene leiden unter Vorurteilen

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Überschuldete Menschen sollten so früh wei möglich Hilfe suchen. Sie helfen weiter: Jennifer Engelmann (l.) und Nadine Hagemann von der Caritas-Schuldnerberatung der Caritas-Paderborn. Foto: Flüter
veröffentlicht am 17.06.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Kreis Paderborn. Wer hoch verschuldet ist, wird eher krank. Andererseits sind gesundheitliche Probleme häufig Ursache für eine Überschuldung. Auf diesen Zusammenhang haben die Schuldnerberatungen im Kreis Paderborn im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche hingewiesen. Im Kreis Paderborn ist fast jeder Zehnte überschuldet.

„Überschuldete Menschen dürfen in dem Teufelskreis von Krankheit und Überschuldung nicht alleingelassen werden“, sagt Jennifer Engelmann, Leiterin der Caritas-­Schuldnerberatung. Wer überschuldet ist, verschweigt das fast immer. Diese soziale Isolation verschlimmert die Situation der Betroffenen, treibt sie in Krankheiten und erschwert die Hilfe.

Dabei sind die Menschen oft unverschuldet in diese Lage geraten. Jeder siebte Klient einer Schuldnerberatung ist wegen Krankheit, Sucht oder Unfall überschuldet, hat das Statistische Bundesamt festgestellt. Weitere Ursachen können sein: Arbeitgeber, die nicht zahlen, Trennung oder der Tod eines Partners.

„Obwohl es oft Ursachen von außen sind, die sie in die finanzielle Zwangslage getrieben haben, müssen hoch verschuldete Menschen immer noch mit dem Vorurteil leben, dass sie nicht mit Geld umgehen können und immer nur konsumieren wollen“, sagt Engelmann.

Wer in diese Lage gerät, kann sich kaum selbst helfen. „Wenn jemand nachts nicht in den Schlaf kommt, weil die nächste Rate nicht bezahlt werden kann oder die Gläubigerschreiben im Briefkasten ständig immer mehr werden, hat tagsüber kaum Kraft für den Alltag“, hat Nadine Hagemann, eine Kollegin von Jennifer Engelmann, beobachtet.

Die Daueranspannung bleibt nicht ohne Folgen. Psychische und psychosomatische Erkrankungen nehmen zu, Herz- und Kreislauferkrankungen treten auf, Unruhe und Nervosität sind weit verbreitet.

Die Angst treibt die verschuldeten Menschen in die Arme unseriöser Schuldnerberatungen, die das Elend nur scheinbar lösen, in Wirklichkeit aber verschlimmern.

Die Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände wie Caritas oder Diakonie verstehen sich dagegen als „soziale Beratungsstelle“. „Wir leisten ganzheitliche Beratung, die alle Lebensumstände berücksichtigt“, betont Jennifer Engelmann. Oberste Priorität hat die Existenzsicherung: Ernährung, Wohnung, Energie müssen sicher sein.

„Es gibt immer eine Lösung“, sagt Jennifer Engelmann, „aussichtslos ist so gut wie kein Fall.“ Dass sie keine Chance mehr haben, glauben jedoch viele Klienten, bevor sie in die Beratungsstellen kommen. „Die Angst ist groß. Während unser Beratung fließen viele Tränen.“

684 überschuldete Menschen hat die Caritas in Paderborn im letzten Jahr beraten. 2014 waren es noch 628 Klienten, fast zehn Prozent weniger. Wichtig war, dass die Betroffenen so früh wie möglich die Beratung aufgesucht haben, auch wenn die Scham groß war. „Wir bewerten nicht, warum jemand Schulden hat“, betont Jennifer Engelmann, „aber ein Ausweg ist meist nur möglich, wenn Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.“

Karl-Martin Flüter

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