Das Rad des Unrechts stoppen

Seelsorger Ullrich Auffenberg liest im Delbrücker „Clemens August von Galen Haus“

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Große emotionale und spirituelle Intensität: Ullrich Auffenberg mit Gastgeberin Ursula Fischer (Mitte), den Musikerinnen Dorothea Mieth (Violine), Laura Fedde (Querflöte) und Roswitha Wening.Foto: Flüter
veröffentlicht am 04.05.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Delbrück. Die Kapelle im Clemens August von Galen Haus ist einer der schönsten spirituellen Orte in Delbrück. Oft sind die Stuhlreihen bei Gottesdiensten gut gefüllt. Dass aber bei einer Lesung eines Autors die Plätze nicht mehr reichen und einige Zuhörer auf dem Flur Platz nehmen müssen, ist selten – umso mehr, wenn es um ein schwieriges Thema geht: Menschen, die sonst überhört werden.

Vielleicht war es der Name des lesenden Autors, der an diesem Abend fast 80 Menschen in das Clemens August von Galen Haus lockte. Der Seelsorger Ullrich Auffenberg gilt als jemand, der sich den Blick für Menschen bewahrt hat, die „ganz unten“ sind. Er wolle sich denen widmen, so schreibt er, „deren leise Stimme in einer lärmenden Gesellschaft und einer oft nur noch mit sich selbst beschäftigten Kirche kaum gehört wird.“

In Delbrück hat er mit dieser Botschaft ein großes Publikum gefunden. Begleitet von den Musikerinnen Laura Fedde (Querflöte) und Dorothea Mieth (Violine) sowie Roswitha Wening als zweiter Leserin, gelang es Ullrich Auffenberg, der Lesung eine große emotionale und spirituelle Intensität zu verleihen. Sie speiste sich aus zwei Quellen: aus dem unverstellten Blick auf das menschengemachte Elend, aber auch aus der Stärke, die im Glauben ruht und sich im sozialen Handeln zeigt.

Soziale und spirituelle Kräfte freigesetzt hatte der sommerliche Freiluftgottesdienst „Kirche am See“ am Möhnesee, an dem Ullrich Auffenberg von 2010 bis 2014 maßgeblich beteiligt war. Ein wichtiges Element dieser Gottesdienste waren Berichte von Teilnehmern, die der Gemeinde von ihren schwierigen Lebenserfahrungen erzählten. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Ullrich Auffenberg ein Buch mit diesen Texten. Es heißt „Den Sprachlosen eine Stimme geben“. Diesem Titel wird das Buch gerecht.

„Ich habe mich an viele Situationen und Gefühle bei meiner Arbeit erinnert gefühlt“, sagte Ursula Fischer, Leiterin im Clemens August von Galen Haus, die seit Jahrzehnten in der Pflege und mit Menschen mit Demenz arbeitet.

Typisch für Auffenberg ist eine Geschichte wie diese: Nach einem Gottesdienst kommt eine Frau mit sechs Flüchtlingen zu Auffenberg an den Altar. Einer der Männer habe einen Bruder, der noch in Libyen sei, weil er das Geld für die Schlepper nicht aufbringen könne, erzählt die Besucherin. Auffenberg informiert die Teilnehmer des Gottesdienstes und lässt erneut den Kollektenkorb herumgehen. Sechs Wochen später ist der Bruder aus Libyen in Deutschland angekommen.

Ein Seelsorger, der in seiner Gemeinde für den Schlepperlohn von Flüchtlingen Geld sammeln lässt: Das ist zumindest ungewöhnlich. Doch diese Bedenken zählen für Auffenberg nicht. „Es ist Gott selbst, dem wir die Tür öffnen, wenn wir einen Fremden aufnehmen“, sagt er.

Oft wird er noch politischer – und bezieht sich dabei auf Papst Franziskus. So, wenn er das Schicksal der Werksvertragsarbeiter beschreibt, das er als Dechant in Rheda-Wiedenbrück kennengelernt hat. „Guter Gott, lass es ein Ende haben, dass die kleinen Leute für die Großen schuften müssen“, betet Auffenberg: „Wer dem Rad des Unrechts … in die Speichen greift und Güte und Barmherzigkeit die Wege bahnt, der schafft dem Himmel Raum auf Erden.“

Karl-Martin Flüter

Info

Ullrich Auffenberg: Den Sprachlosen Stimme geben. Von Menschen, die überhört werden.

Bonifatius 2015, 12,90 Euro

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