Realismus, Barmherzigkeit und vor allem Liebe

Stellungnahme des Diözesankomitees Paderborn zur Papstbotschaft „Amoris laetitia“

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veröffentlicht am 15.04.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Paderborn. Das umfangreiche Schreiben des Papstes „Amoris laetitia“ (Freude der Liebe) enthält nach Aussage des Diözesankomitees der Katholiken im Erzbistum Paderborn wichtige Richtungsanzeigen für das Thema „Ehe und Familie“ in der katholischen Kirche.

Grundsätzlich fordere Franziskus von der katholischen Kirche mehr Respekt vor der Gewissensentscheidung des Einzelnen in moralischen Fragen, so der Vorstand des Diözesankomitees. „Und er spricht immer wieder von der Verantwortung der Ortskirchen, der Priester und der gesamten Kirche für Ehe und Familie. Dies sehen wir als ein theologisch und kirchenpolitisch wichtiges Signal, weg von zentralistischen Regelungen hin zu einer Praxis der Barmherzigkeit vor Ort.“

Zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen sieht das Diözesankomitee im Text viele ermutigende Anmerkungen, „die die Türen für einen barmherzigen Umgang auch in Bezug auf die Sakramente öffnen“. So heiße es zum Beispiel: „Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung erleben können.“ Franziskus kritisiere auch eine „kalte Schreibtisch-­Moral“ und fordere stattdessen eine „pastorale Unterscheidung voll barmherziger Liebe [], die immer geneigt ist zu verstehen, zu verzeihen, zu begleiten, zu hoffen und vor allem einzugliedern.“ Der Papst stärke damit alle diejenigen, die sich bereits in der Vergangenheit für die Inte­gration wiederverheirateter Geschiedener eingesetzt haben, lobt das Diözesankomitee.

Enttäuscht ist das Diözesankomitee von den Anmerkungen zur Homosexualität. „Wir bedauern die Absage an eine neue Bewertung homosexueller Partnerschaften. Diese werden weiterhin nur als defizitär und nicht gottgewollt beschrieben.“ Diese Formulierung sei möglicherweise in der weltkirchlichen Perspektive des Schreibens begründet, stehe aber im deutlichen Gegensatz zur Haltung der überwältigenden Zahl der Katholiken in Deutschland.

Das Diözesankomitee versteht das Schreiben des Papstes als eine große Einladung an die Kirche vor Ort, sich noch mehr zu engagieren für Ehen und Familien, im Alltag der Gemeinden und in der gesellschaftlichen Debatte, in der Ehevorbereitung, in der Begleitung von Eheleuten, aber auch in der Zuwendung zu wiederverheirateten Geschiedenen und Alleinerziehenden. Das Schreiben habe einen positiven Grundton. Es sei ein Loblied auf Ehe, Familie und Liebe. In einem zen­tralen Kapitel betone der Papst die Bedeutung der Liebe und finde auch einen Weg aus der Sprachlosigkeit kirchlicher Dokumente zum Thema Sexualität. Ausgehend von dem berühmten Hymnus im Korinther-­Brief des Paulus stelle er die Sexualität überaus positiv dar.

Das Diözesankomitee lädt alle auch im Erzbistum Paderborn dazu ein, „das Schreiben des Papstes zu lesen und das Engagement für Ehe und Familie und für einen barmherzigen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen fortzusetzen. Es steht der Kirche gut an, die ,Freude der Liebe zu verbreiten und zu einem Markenzeichen des christlichen Glaubens zu machen“.

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