Offen und ehrlich

In Kreuzbund-Gruppen unterstützen sich die Mitglieder gegenseitig bei der Überwindung von Süchten

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Foto: Günther Gumhold / pixelio
veröffentlicht am 08.04.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Erzbistum. Seit vielen Jahren war ausgerechnet die Bischofsstadt Paderborn ein weißer Fleck auf der Karte des Kreuzbund-­Diözesanverbandes, der Suchtselbsthilfe in der katholischen Kirche. Das hat sich jetzt geändert. In Paderborn ist nun zu den rund 80 Selbsthilfegruppen im Erzbistum mit etwa 900 Mitgliedern eine weitere dazugekommen – mit Unterstützung von Winfried Kersting, Referent für Suchtkrankenhilfe beim Diözesan-Caritasverband Paderborn. Im Interview spricht er über die Arbeit des Kreuzbundes.

DOM: Es gibt in Paderborn bereits einige Suchtselbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker. Warum braucht Paderborn eine Kreuzbund-­Gruppe?

Winfried Kersting: Eine Kreuzbund-Gruppe ist zunächst mal notwendig, um Hilfesuchenden eine Wahl zwischen verschiedenen Hilfeanbietern zu ermöglichen. Aufgrund des Subsidiaritätsprinzips verpflichtet sich der Staat – soweit wie möglich – freie Träger in das Hilfesystem einzubinden und hierbei zu unterstützen. Und als Gruppe katholischen Ursprungs unterstützen sich Kreuzbundmitglieder dann auch bei der Beantwortung von Fragen, vor die jeder Mensch gestellt ist, der ehrlich mit sich umgeht, wie etwa die Fragen nach dem Woher, Wohin und dem Sinn des Lebens. Die Beantwortung der Frage nach dem Sinn des Lebens ist oft wichtig, um zu wissen, warum es sich lohnt, aus der Sucht auszusteigen.

Was leistet eine Kreuzbund-­Gruppe?

In einer Kreuzbund-Gruppe ist jede und jeder willkommen, gleich welcher Religion, Hautfarbe oder Stand. Das Prinzip ist „Hilfe zur Selbsthilfe“ durch das offene Gespräch und die persönliche Begegnung. Alle sprechen offen über sich, über Erfolge und Freuden, über Sorgen und Nöte, hören einander zu und erfahren so, wie andere den Weg aus der Suchtkrankheit gefunden haben. Voraussetzung für einen vertrauensvollen Umgang innerhalb der Gruppe ist die Verschwiegenheit nach außen. Viele Menschen schaffen den Ausstieg aus der Sucht alleine mithilfe der Gruppe. Es gilt der Satz: „Du musst es selbst schaffen, aber du schaffst es nicht allein.“

Wer kann sich an eine Kreuzbund-Gruppe wenden?

Alle, die Fragen zu einer Suchtkrankheit haben, sowohl Betroffene als auch Angehörige. Traditionell war der Kreuzbund zwar zunächst für alkohol- und medikamentenabhängige Menschen da. Mittlerweile ist er zunehmend für alle Suchtkrankheiten, legale und illegale und auch für nicht stoffgebundene Abhängigkeiten wie die Spielsucht, zuständig.

Was macht den Kreuzbund aus?

Der Kreuzbund ist die Sucht­selbsthilfe der katholischen Kirche. Er ist eine Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige. Die Gruppenleiter werden vom Kreuzbund-Diözesanverband Paderborn kompetent ausgebildet und in ihrer Arbeit auch weiterhin unterstützt, wie etwa durch Gespräche und unterschiedliche Seminare. Die Gruppenmitglieder beschäftigen sich nicht nur mit ihrer Sucht, sondern gestalten auch gemeinsam einen Teil ihrer Freizeit. Sie nennen sich „Weggefährten“, die sich gegenseitig auf ihrem Lebensweg begleiten. Durch die Einbindung in einen starken Verband können sie sich auch gesellschaftlich engagieren, um etwa Vorurteile gegenüber suchtkranken Menschen abzubauen.

Was hat der Kreuzbund mit der Caritas zu tun?

Er ist ein Fachverband des Caritasverbandes. Hierdurch ist eine enge Zusammenarbeit mit den hauptberuflichen Suchtberatern der Caritas gegeben. Suchtberatung und Suchttherapie sind zeitlich begrenzt, eine Mitgliedschaft im Kreuzbund nicht. Durch die Zusammenarbeit mit der örtlichen Caritas ist bei Bedarf auch die Vermittlung in andere Hilfebereiche, wie etwa der Schuldnerberatung, gut möglich.

Kontakt: Winfried Kersting, Referent für Suchtkrankenhilfe, Diözesan-Caritasverband Paderborn, Tel.: 05251-209 230, E-Mail: w.kersting@caritas-paderborn.de

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