Wir sitzen im selben Boot

Ökumenischer Neujahrsempfang der Kirchen in Hagen: Zwischen Tradition und Aufbruch

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Sprachen beim Neujahrsempfang (v.li.): Superintendentin Verena Schmidt, Referentin Dr. min. Sandra Bils, Dechant Dr. Norbert Bathen. Foto: Piela
veröffentlicht am 05.02.2016
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Hagen. Der traditionelle Ökumenische Neujahrsempfang in Hagen stand in diesem Jahr unter der Überschrift „Zwischen Tradition & Aufbruch“. Rund 200 Gäste aus Kirche und Politik, aber auch viele haupt- und ehrenamtlich Tätige aus dem Evangelischen Kirchenkreis Hagen und dem Katholischen Dekanat Hagen-Witten waren der Einladung ins Sparkassen-Karree gefolgt.

Mit der Frage „Kommt Gott in unserem Leben überhaupt noch vor oder haben wir nicht schon längst beschlossen, ohne ihn auszukommen?“ eröffnete Superintendentin Verena Schmidt ihre Begrüßung und erläuterte ihre Sicht zum Verhältnis der Kulturen, zu Toleranz und Traditionen. 

Im anschließenden Vortrag sprach Pastorin Dr. min. Sandra Bils, Hannover, lebendig und kurzweilig über „Ökumene der Sendung – zwischen Tradition und Aufbruch“. Anhand fünf kleiner Geschichten führte sie die Zuhörer durch ihren Vortrag. Sie erzählte vom Besuch einer Chrisam-Messe, der sie nachhaltig beeindruckt hatte, von einem internationalen Café, dem Elektrogerätehersteller Fa. Braun und vom Hannoverschen Zoo. Inhaltlich ging es dabei um die Frage: „Wie kann die Kirche der Zukunft aussehen?“

Ihre Bestandsaufnahme zur kirchlichen Situation ergab: „Wir sitzen ökumenisch im selben Boot.“ Monopolverlust, Mitgliederschwund und Individualisierung treffe beide Konfessionen. Die kirchlichen Reaktionen darauf seien holzschnittartig. Gemeinden investierten in die Bestandserhaltung, aber würden sich auch innovativ öffnen, suchten neue Wege.

Dieser Dualismus mit seiner scharfen Trennlinie spiele jedoch beide Seiten – die Klassischen und die neu Aufbrechenden – gegeneinander aus. Vielen haupt- und ehrenamtlich Tätigen gehe die Puste aus. Die Frage sei zu stellen: „Was ist eigentlich unser Auftrag als Christen und Christinnen, was ist unsere Hauptberufung?“

Und so gab die Referentin den Zuhörern eine Minute lang Gelegenheit zu überlegen: „Was würde uns in Hagen fehlen, wenn es uns nicht gebe?“ Am Ende des Vortrags lautete Bils Botschaft – sie nannte es“unsere Mission“: Sendung solle ökumenisch sein, Vielfalt liebend, was zu reichen Gemeinden führe – mit Gemeinschaft, mit Neugier und „vielleicht einem bißchen Mut, aufzubrechen“.

Dechant Dr. Norbert Bathen bestätigte in seinem Schlusswort, dass die von der Referentin angestoßenen Punkte in evangelischer und katholischer Kirche ähnlich seien und resümierte: „Wir können uns sicher befruchten, aber man muss schauen, wo es geht.“ Er blicke mit Sorge und Ratlosigkeit auf das Jahr 2016. Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität gerieten ins Wanken. „Das darf nicht sein.“

Lösungen für die aktuelle Krise seien nicht in Sicht, das Zusammenstehen der europäischen Völker die einzige Möglichkeit, sagte Bathen und fügte hinzu: „Gott ist barmherzig mit uns, dann wollen auch wir mit den Menschen barmherzig sein, die zu uns kommen.“ 

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung im Sparkassen-Karree in Hagen von Martin Rösner am Flügel und Maren Lueg am Saxophon.

Ingrid Piela