Schlucken und verdauen

von Claudia Auffenberg

veröffentlicht am 15.01.2016
Lesezeit: ungefähr 2 Minuten

Neulich im Krankenhaus: Im mittleren Bett liegt anscheinend ein jugendlicher Flüchtling. Freundlich-konzentriert beobachtet er den Besuch seines Bettnachbarn. Der erzählt, dass der junge Mann gerade einen Deutschkurs mache und sie viel miteinander sprechen. „Ich habe hier auch etwas gelernt“, sagt der Gemeinte und präsentiert stolz sein neues Wort: „Stuhlgang“. Na super, möchte man rufen, herzlich willkommen im Land der Dichter und Denker!

Stuhlgang beschreibt zwar einen alltäglichen Vorgang, ist aber nicht gerade ein Wort des alltäglichen Gebrauchs, jedenfalls nicht außerhalb eines Krankenhauses. Eigentlich nur dort fragen einen fremde Leute danach – und das mit penetranter Regelmäßigkeit. In der Tat – und ab jetzt betrachten wir die Situation bitte bildlich, metaphorisch – es ist also in der Tat eine überlebenswichtige Frage, wie man mit allem umgeht, was einen das Leben so schlucken lässt, wie man es verdaut: Was gibt Energie, was sollte weg?

Das Evangelium dieses Sonntags erzählt die wunderbare Geschichte von der Hochzeit zu Kana. Jesus rettet die Veranstaltung, indem er Geschmack an die Sache bringt, in dem er aus dem Durstlöscher Wasser den Freudenspender Wein macht. Er also könnte jemand sein, der die Krüge füllt, der Energie gibt. Aber das ist nun wieder allzu metaphorisch, denn wie können wir das heute, 2000 Jahre später, konkret erleben?

Vielleicht könnte man das mal die Flüchtlinge fragen: Was gibt euch Energie? Was um Himmels willen lässt euch das alles durchstehen, nicht nur die Flucht, das war sicher auch der pure Mut der Verzweiflung, sondern dieses leere Warten auf Godot in den überfüllten Turnhallen und zugigen Zelten? Und dann antworten sie vielleicht: „Sie!“ und meinen die Helferinnen und Helfer. Und dann könnte man die fragen, woher sie wiederum die Kraft nehmen, das alles zu managen und die Geschichten zu ertragen und dann antworten sie vielleicht: „Sie!“ und meinen die Flüchtlinge.

Und dann fragt man sich selber und denkt noch mal so über die zurückliegenden Feiertage nach und merkt, dass das stimmt, dass die eigentliche Energiequelle nie Schokolade, sondern nur ein Mensch sein kann.

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