„Zeugnis für die Wahrheit Gottes“

Gedanken zu Joh, 18,33b-37

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Die Wahrheit Gottes ist seine Treue zu den Menschen; Liebesschlösser an einem Brückengeländer. Foto: cacciatore.di.sogni/photocase.com
veröffentlicht am 20.11.2015
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

In Jesus, in seinem Wort und Werk, hat die Wahrheit Gottes konkrete Gestalt angenommen.

Wie so oft im Johannesevangelium ist auch dieses Gespräch zwischen Jesus und Pilatus gekennzeichnet durch ein Missverstehen. Auf die skeptische Frage des Pilatus nach der Wahrheit antwortet Jesus, er sei in die Welt gekommen, um von der Wahrheit Zeugnis abzulegen. Damit ist kaum unser alltägliches Verständnis von Wahrheit gemeint. Danach ist etwas wahr, wenn es mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Hier meint der Evangelist mit Wahrheit aber etwas wesentlich Tieferes, etwas, mit dem er Jesus Christus und sein ganzes Wirken deuten kann. Das wird bereits am Anfang des Evangeliums deutlich. Dort heißt es: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14) Und auch der Geist, den Jesus seinen Jüngern verspricht, wird mehrmals „der Geist der Wahrheit“ (Joh 14,16f.; 15,26) genannt.

Im Hebräischen bzw. Aramäischen, der Muttersprache Jesu und seiner Jünger, meint Wahrheit eine Eigenschaft, die nicht nur einer Sache, sondern vor allem einem Menschen zukommt. Sie meint so viel wie Treue, Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit. Ganz unvertraut ist uns ein solches Verständnis von Wahrheit nicht. Wenn wir etwa von einem „wahren Freund“ sprechen, dann ist das jemand, der sich tatsächlich als Freund gezeigt hat, dem man vertrauen darf, weil man weiß, dass er zuverlässig ist. In diesem Sinn kann die Bibel auch von Gottes Wahrheit sprechen. So heißt es in den Psalmen: „Du, Herr, verschließ mir nicht dein Erbarmen, deine Huld und Wahrheit mögen mich immer behüten!“ (Ps 40,12) „Wahrheit“ meint hier nicht, dass es Gott gibt, sondern dass er für den Beter da ist, dass er zu seinem Wort steht und darum den Beter nicht allein lässt.

So ist auch die Wahrheit im Johannesevangelium zu verstehen. Wenn in Jesus Gottes Gnade und Wahrheit erschienen sind, dann meint das, dass in ihm Gott selbst unter uns Menschen ist, dass er uns in Jesus Christus sein Leben geschenkt hat, und dass wir uns darauf verlassen dürfen, weil Gott zuverlässig ist und seinem Wort treu bleibt. Darum ist der Mensch, der das Wort Jesu annimmt und ihm glaubt, ebenfalls „aus der Wahrheit“ (Joh 18,57). Er lebt „in der Wahrheit“ (2 Joh 1,4), weil er auf Gott vertraut und dadurch Anteil erhält am Leben Gottes.

Für diese Wahrheit Gottes legt Jesus Zeugnis ab. Man kann darum das ganze Johannesevangelium durchgehen und das, was Jesus über sich und seine Sendung sagt, darauf beziehen. Immer geht es – in unterschiedlichen Bildern und Begriffen – darum: dass Gott treu ist, dass wir in Jesus erkennen können, was Gott mit uns Menschen vorhat, dass durch das Leben und Sterben Jesu ein für alle Mal offenbar wird, wie wichtig wir Gott sind und dass er zu uns hält: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gesandt hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16) Das ist die Wahrheit, für die Jesus Zeugnis ablegen will und für die er bereit ist zu sterben. Indem Jesus seiner Botschaft und seiner Sendung treu bleibt, zeigt sich darin ein für alle Mal, dass Gott wirklich ein Gott für die Menschen ist, und zwar für immer und ewig.

Diese Wahrheit, diese Treue Gottes gilt uns, und sie gilt allen Menschen. Und so dürfen wir hoffen, dass sie einmal tatsächlich jeden Menschen erreicht. Und in dieser Wahrheit liegt wohl das, was das wahre Königtum Christi, was seine Herrschaft über die Menschen ausmacht.

PD Dr. Burkhard Neumann

Der Autor ist Direktor am Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn

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