„Wir konnten nicht immer angemessen helfen"

Seit vergangenem November betreut Kolping eine Notunterkunft in Soest – jetzt wird sie geschlossen

Eine Art Dankeschön zu sagen: Das große Gemälde im Speisezelt der Notunterkunft haben Flüchtlinge gemalt. Es zeigt einen „deutschen“ Adler, der Menschen aus dem Mittelmeer rettet.Foto: Flüter

 

Soest. Nach einem Jahr wird die von Kolping betriebene Notunterkunft für Flüchtlinge in Soest wieder geschlossen. Der ­erwartete Flüchtlingsansturm ist ausgeblieben. Zeit für einen Rückblick auf arbeitsreiche, intensive Monate.

von Karl-Martin Flüter

Es ist ruhig geworden zwischen den zwölf Leichtbauhallen auf dem Exerzierplatz der früheren Kanaal-van-Wessem-­Kaserne in Soest. Am späten Vormittag kommen die letzten Männer aus dem Bad, im großen Speisesaal bereiten sich die Mitarbeiter auf die Essensausgabe vor, die Kindertagesstätte leert sich allmählich. Fast 200 Menschen leben hier, fast 800 waren es Ende vergangenen Jahres.

Anfang November 2015 hatte die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) die ersten Flüchtlinge aufgenommen, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Die Fotos von damals zeigen erschöpfte Menschen in Winterkleidung, die auch in warmen Räumen noch zu frieren scheinen. Schnell füllte sich die kleine Zeltstadt im Süden von Soest, es war die Zeit der massenhaften Ankünfte aus Osteuropa.

Doch diese Wochen, als alle ein weiteres Anwachsen der „Flüchtlingsflut“ im Jahr 2016 befürchteten, sind längst vorbei. Schon im Januar ging die Zahl der Ankömmlinge zurück. Ende August erreichte den Leiter Thomas Müller die Nachricht, dass die Notunterkunft zum Ende des Jahres geschlossen wird.

Thomas Müller ist Kolping-­Mitarbeiter, ein ruhiger Mann mit Organisationserfahrung. 13 Jahre lang hatte er als Diözesansekretär beim Kolpingwerk in Paderborn gearbeitet. Als klar war, dass Kolping Träger der Notunterkunft in Soest werden würde, wechselte er den Job. Die Herausforderung habe ihn gereizt, sagt er, außerdem: „Dafür sind wir bei Kolping da.“

Wie fordernd die Aufgabe war, hat Müller schnell gemerkt. Als er Anfang August 2015 zum ersten Mal das Gelände betrat, wurde der ehemalige Exerzierplatz gerade asphaltiert. Anfang September begannen Bautrupps damit, die Leichtbauhallen zu errichten. Binnen weniger Wochen entstand eine kleine Stadt in Weiß zwischen den Ruinen der verfallenen früheren belgischen Kaserne, die seit Anfang der 1990er-Jahre leer stehen.

Auf den Fotos vom Herbst 2015 sind Thomas Müller die Strapazen dieser Anfangstage deutlich anzusehen. Ziemlich erschöpft schaut er in die Kamera. Alles war neu. Auch die insgesamt 65 Mitarbeiter, davon 38 im Betreuungsbereich, mussten innerhalb weniger Wochen eingestellt werden. Gleich am Anfang, wenige Tage, nachdem die ersten Flücht­linge eingetroffen waren, musste das Lager evakuiert werden. Die Bewohner zogen für einige Tage nach Lünen und Schwerte um, weil befürchtet wurde, dass ein Sturm Bäume entwurzeln und diese dann auf die Leichtbauhallen stürzen könnten.

Die Fotos von damals entstanden offensichtlich bei einem Rundgang durch die noch weitgehend leeren Unterkünfte. Auf einem steht Thomas Müller in einem der beängstigend kleinen Räume, die bis zu acht Personen aufnehmen sollen. 16 Quadratmeter misst das Musterzimmer, das nur knapp Platz bietet für vier Doppelstockbetten im Ikeastil sowie zwei schlichte Kellerregale mit je einem Regelboden für jeden Bewohner.

(Den ganzen Text und weitere Fotos finden Sie im Dom Nr. 42 vom 16. Oktober 2016 auf den Seiten 8 bis11.)

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