Suizidprävention wird digital

TelefonSeelsorge startet App „KrisenKompass“

Eine App für Smartphones bietet die TelefonSeelsorge jetzt an. Foto: Pixabay

 

Siegen. Die TelefonSeelsorge Deutschland startet mit dem „KrisenKompass“ eine digitale Hilfe für Menschen in der suizidalen Krise. Für Smartphones wurde eine entsprechende App entwickelt. Entscheidend an deren Entwicklung beteiligt war die ökumenische Telefonseelsorge Siegen.

Mit der App erweitert der Verbund das bisherige Angebot und richtet sich damit an drei Gruppen: an Menschen in der suizidalen Krise, an Angehörige, Kollegen und Freunde, die unterstützen möchten, sowie an Angehörige, die eine Person durch Suizid verloren haben.

„Wir haben die App entwickelt, um jene zu unterstützen, die sich nicht trauen, mit uns zu sprechen oder uns zu schreiben“, erklärt Dorothee Herfurth-Rogge, Vorsitzende der Evangelischen Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Tür, den Hintergrund der App. „Wir hoffen, dass dieses niederschwellige Angebot das Rüstzeug an die Hand gibt, einen Krisenfall besser zu meistern.“ Michael Hillenkamp, Sprecher der katholischen Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Tür, sagt: „Die App ist konkrete Seelsorge. Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen ist ein Menschenrecht.“

Auch für therapeutische Zwecke nutzbar

Menschen in einer schwierigen seelischen Situation benötigen eine klare und selbsterklärende Ansprache, da die kognitiven Möglichkeiten überlagert sind. „Mit unserer App haben wir stark darauf geachtet, eine leichte Userführung einzubringen und bewusst leicht lesbare Texte verfasst“, so Dr.Stefan Schumacher, Projektleiter des „KrisenKompass“ und Leiter der TelefonSeelsorge.

Im „KrisenKompass“ stehen Funktionen bereit, die auch in der Psychotherapie genutzt werden, wie zum Beispiel die Aufzeichnung von Stimmungen als Tagebuchfunktion oder das Anlegen eines Sicherheitsplanes. „Er kann in stabilen Momenten angelegt werden und ist sehr hilfreich, wenn man weiß, in der Krisensituation kann ich darauf zurückgreifen“, beschreibt Schumacher den Mehrwert. Als Erste-Hilfe-Koffer für den Notfall kann der Nutzer in der App außerdem persönliche Archive anlegen, um aufbauende Gedanken oder persönliche Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern. Erläuterungen von Entspannungstechniken sowie Kontakte für den Notfall wie die TelefonSeelsorge und andere professionelle Anlaufstellen, geben konkrete Hilfestellungen für eine Krise.

Thema Selbsttötung häufig in der Beratung

Im Jahr 2019 wurde das Thema Suizidalität (Suizidabsicht, Suizidversuch, Suizidgedanken, Suizid eines anderen) in rund 103000 der Gespräche der TelefonSeelsorge thematisiert (per Telefon, E-Mail, Chat und vor Ort). Davon waren mehr als 23 Prozent der Gespräche mit Jugendlichen und Kindern bis 29 Jahren. Besonders die digitalen Wege werden genutzt: Konkret wurden 68,2 Prozent aller Chat-Gespräche und 61,4 Prozent aller E-Mails zum Thema Suizidalität mit dieser Altersgruppe geführt und geschrieben.

Die TelefonSeelsorge

Als eine der ersten Suizidpräventionsmaßnahmen des Landes wurde die TelefonSeelsorge 1956 gegründet. Um den Zugang möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, steht sie rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr bereit. Die Seelsorge ist ideologisch, konfessionell und politisch unvoreingenommen.

Über vier Wege ist die TelefonSeelsorge zu erreichen: per Telefon, E-Mail, Chat und in einigen Städten vor Ort. 2019 wurden 932100 Telefonate, 49951 Vor-Ort- und 19540 Chat-Gespräche geführt sowie 34795 Mails geschrieben.

Dank Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 gebührenfrei.

 

Info

Download-App „KrisenKompass“

Die App „KrisenKompass“ gibt es für iOS (Apple-Geräte) sowie für Android-Smartphones 

 

 

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