Richtiger Umgang mit moderner Technik

Vortrag informiert über das Fotografieren von Kindern

Ursula Enders und Heinz Meyer vom Kinderschutzbund freuten sich, das wichtige Thema im Kreis Soest verbreiten zu können. (Foto: Körtling)

 

Soest. Erzieher, Lehrer und Ehrenamtler lernten bei einem Experten-Vortrag, was beim Thema „Fotos von Kindern“ beachtet werden soll. Die moderne Technik birgt Chancen, aber auch Risiken. Kinder sollen ihr Recht am eigenen Bild kennenlernen.

„Bitte liebe Fachleute, zwei Fotos im Jahr genügen für jede Dokumentation.“ Mit diesem Appell öffnete Ursula Enders, Erziehungswissenschaftlerin, Traumatherapeutin und Autorin, vielen der rund 100 Gästen im Kreishaus die Augen über das gefährliche, oft inflationäre Fotografieren von Kindern und Jugendlichen. Als Leiterin der Beratungsstelle „Zartbitter“ in Köln, die sich gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern engagiert, hatte sie für die vielen Formen medialen Missbrauchs beklemmende Beispiele aus der Praxis.

Erschreckend war für viele die Erkenntnis, wie schnell Fotos und Videos, oft auch durch gleichaltrige Täter, im Internet landen. „Jeder kennt von früher die Geschichten, mal als ,Mutprobe die Hose runterzulassen‘“, sagte Enders. Doch heute sei es auch unter Kindern und Jugendlichen selbstverständlich, gleich mitzufilmen. Wenn die Aufnahmen einmal im Netz seien, blieben sie dort auch. Insgesamt sei die fehlende Distanz der Kinder zu Foto- und Filmaufnahmen ein großes Pro­blem, erklärte die Fachfrau. „Schon von der Kita an wird oft hemmungslos von Eltern, Verwandten und Erziehern drauflosfotografiert“, sagte Enders. Statt dessen solle man den Kindern klar machen, dass sie das Recht am eigenen Bild haben.

Wenn die Kinder sich dann mal nicht fotografieren lassen möchten, so müssten Erwachsene damit leben. Es müsste auch über die Folgen der Veröffentlichung im Internet aufgeklärt werden. Phänomene wie das so genannte „Sexting“ seien inzwischen Alltag bei den Fachleuten. Dabei lassen sich Jugendliche, freiwillig oder unter Druck, auf erotische Darstellungen ein. Diese können später zur Erpressung genutzt, oder aus „Rache“ nach Trennungen verbreitet werden. Damit werde oft das ganze bisherige soziale Leben zerstört.

Prävention sei wichtig, und mit Hilfe der Zartbitter-Facebook-Seiten würden erfreulich viele Jugendliche direkt erreicht. Für alle, die mit Kindern zu tun haben, werde auch Präventionsmaterial zur Verfügung gestellt.

Peter Körtling

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