Ostern „von vorn“

Das wahre Ostern kennt keinen Termin

Kerzen vermitteln für viele Menschen Geborgenheit. Foto: Myriam Zilles / Pixabay

 

Wenn ich an das bevorstehende Osterfest denke, ist mir zum Heulen zumute. Wie soll das gehen? Vor einem Computerbildschirm zu sitzen und einem Priester zuzugucken, wie er praktisch allein die drei österlichen Tage feiert, ist eine höchst beunruhigende Vorstellung, auch weil dadurch das Ausmaß der Krise sichtbar wird. Ob den Zelebranten, die es auf römische Weisung so halten, das Halleluja im Halse stecken bleibt?

Zugleich kam mir der Gedanke, dass wir in diesem Jahr Ostern gewissermaßen „von vorn“ feiern. In der Regel feiern wir es „von hinten“: Wir feiern den Gründonnerstag mit Blick auf den Ostersonntag. Selbst die Karfreitagsliturgie ist österlich durchdrungen. Gelesen wird die Johannespassion, in der fast alle handelnden Personen leiden, nur einer nicht: Jesus.

In diesem Jahr also Ostern „von vorn“. So, wie die Jünger es erlebt haben. Sie wussten beim Abendmahl nicht, wie die Sache ausgehen wird. Vermutlich waren sie aufgewühlt, nervös, denn Unheil lag in der Luft. Die Verhaftung Jesu war ja keine spontane Aktion, sondern bahnte sich seit Tagen an, so erzählen es die Evangelien. Die Stimmung dürfte alles andere als heiter und gelassen gewesen sein.

Vielleicht eher so, wie das Titelbild dieser Ausgabe es zeigt. Es ist kein optimistisches Bild, obwohl es den Titel „Auferstehung“ trägt. Es ist ein Werk des Bielefelder Künstlers Hermann Stenner, er hat es 1914 gemalt, noch im selben Jahr starb er an der Ostfront in Polen. Er wurde 23 Jahre alt. Leute wie er litten damals an den bestehenden Verhältnissen, wie sie vor dem Krieg geherrscht haben. Für den hatte er sich wie viele andere freiwillig gemeldet. Vermutlich ahnten die jungen Leute nicht, was nun auf sie zukam, welches Leid sie erfahren und über andere bringen würden.

Man weiss nie, was passiert

Im Grunde weiß man nie, was auf einen zukommt, aber nicht immer lastet dieses Wissen so sehr auf einem wie damals im Garten Getsemani, wie 1914 und– ja, wie heute auf uns, auf der ganzen Welt. Das ist Ostern „von vorn“.

Andererseits feiern wir immer auch Ostern „von hinten“, sonst würden wir es gar nicht feiern. In diesem Jahr ist es besonders wichtig. In diesen Zeiten, in denen wir einander lebensgefährlich werden können, müssen wir uns an den halten, der das Leben bringt. An wen sonst? Und: Das wahre Ostern hat keinen Termin, deswegen kann es gar nicht ausfallen.

Bleiben wir also hoffend!

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