Nicht duldsam, aber gelassen

von Claudia Auffenberg

Am „Fest Taufe des Herrn“ taufte Papst Franziskus 26 Kinder von Vatikanmitarbeitern in der Sixtinischen Kapelle. Einige der Kleinen taten das, was unsereins nicht dürfte, sich allerdings auch niemals trauen würde, nicht vor Fernsehkameras, nicht in der Sixtinischen Kapelle und schon gar nicht in Anwesenheit Seiner Heiligkeit: Sie brüllten wie am Spieß.

Fast möchte man neidisch werden. Mit derart großer Selbstverständlichkeit kundzutun, dass einem irgendetwas gerade nicht passt, das hat man sich als Erwachsener natürlich abgewöhnt. Obwohl einem schon Situationen und Personen einfallen, in deren Gegenwart man losbrüllen möchte, um seinen Unmut zu Gehör zu bringen.

Doch als Erwachsener ist man selbstverständlich der Diplomatie, der Contenance, der Gelassenheit verpflichtet. Klar. Logisch. Als Erwachsener brüllt man nicht mehr – bzw. das dürfen dann nicht mehr die Hilflosen, die Schwachen, sondern die Mächtigen oder diejenigen, die sich von Amts wegen dafür halten.

Nun hat aber Jesus, der als Kind ganz gewiss auch mal laut plärrte und damit seiner Mutter gepflegt auf die Nerven ging, gesagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...“. Okay, er meinte sicher nicht: „Brüllt mal ordentlich rum.“ Sondern eher so etwas wie: „Habt Vertrauen zum Vater im Himmel. Ihr müsst nicht abwägend und diplomatisch bis zur Selbstverleugnung sein, und ihr müsst nicht alles duldsam hinnehmen, was andere euch antun. Aber ihr dürft gelassen sein.“

Das Schreien der Kinder verstummt ja in der Regel dann, wenn sie in den Arm genommen oder gefüttert werden. Wenn also ihre Sehnsucht nach Geborgenheit, ihr Hunger nach Leben gestillt wird. Dies ist uns von Gott – dem Vater – zugesagt. So gesehen braucht man gar nicht mehr zu brüllen.

Ach, aber manchmal würde man es doch zu gern tun...

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