„Informiert beten – betend handeln“

Simbabwe steht im Mittelpunkt des diesjährigen Weltgebetstages der Frauen

Das Motiv des diesjährigen Weltgebetstages zeigt in der Mitte die monumentale Ruinenstadt, die dem Land seinen Namen gab: Groß Zimbabwe. Rechts ist eine Frau zu sehen, die einem ermüdeten Mann die Hand reicht und ihm vielleicht sagt: Steh auf! Links ist die Flagge Simbabwes zu sehen.

 

Eine bemerkenswerte Wahl haben die Frauen aus Simbabwe getroffen, als sie für den diesjährigen Weltgebetstag die Bibelstelle ausgesucht haben, über die sie meditieren wollten. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich alleingelassen fühlt und auf Hilfe wartet. 

von Claudia Auffenberg

Jeweils am ersten Freitag im März versammeln sich weltweit christliche Frauen (und womöglich auch Männer) zum Weltgebetstag. In mehr als 120 Ländern beteiligen sich Frauen daran. Die Liturgie wird jeweils von Frauen eines Landes verfasst, die darin dessen Probleme zum Thema machen. In diesem Jahr waren das also Frauen aus Simbabwe. Dieses Land ganz im Süden des Kontinents ist wahrlich ein gebeuteltes. Man fragt sich, woher die Frauen den Mut nehmen, nun ausgerechnet ein Evangelium auszuwählen, in dem Jesus den Gelähmten, der über mangelnde Hilfe anderer klagt, nicht per Handauflegung heilt, sondern ihn dazu aufmuntert, die Sache selbst in die Hand zu nehmen: „Steh auf, nimm deine Liege und geh!“ Es ist die Geschichte das Mannes am Betesda-Teich (Joh5,1–9). Aus diesem Wort haben die Frauen aus Simbabwe das Leitmotiv des diesjährigen Weltgebetstages formuliert: Steh auf und geh. 

Die Bevölkerung Simbabwes hat seit Generationen zu kämpfen: gegen Kolonialherren, gegen Korruption und brutale Politiker, gegen Rassismus, gegen AIDS und neuerdings auch mit dem Klima. Es ist das Land Robert Mugabes, der zunächst für einen kleinen Hoffnungsschimmer sorgte. Als er 1980 Ministerpräsident wurde, entwickelte sich das Land in eine gute Richtung. Aber schon bald wurde Mugabe zum Diktator mit allem, was dazu gehört. Er beutete das Land aus, unterdrückte brutal die Opposition und hielt sich für unersetzlich. 2017 wurde er endlich aus dem Amt gedrängt, er war damals 93 Jahre alt. Zwei Jahre später starb er. Die Verhältnisse in Simbabwe haben sich allerdings kaum geändert.

Klimawandel und Wirtschaftskrise

Heute leidet Simbabwe unter einer seit Jahren andauernden Wirtschaftskrise und unter dem Klimawandel, eine normale Ernte gab es in den letzten Jahren nur einmal, 2019 vernichtete der Zyklon Idai einen Großteil der Ernte und des Saatgutes, aktuell droht dem Land eine Hungersnot. „Steh auf und geh“, wie das, möchte man fragen. Denn gemeint ist ja nicht: Geh fort. Und was kann es schon helfen, wenn weltweit Frauen beten? Dazu muss man sagen, dass der Weltgebetstag eben nicht nur ein Gottesdienst ist. Die Leitidee heißt viel mehr „informiert beten betend handeln“. Immer also gibt es neben der Liturgie auch eine Spendensammlung und in diesem Jahr zusätzlich noch eine politische Aktion: eine Unterschriftensammlung gemeinsam u.a. mit der Initiative erlassjahr.de. Simbabwe ist völlig überschuldet. Allein bei der Bundesrepublik steht das Land mit 730 Millionen Euro in der Kreide, eine Summe, die nach menschlichem Ermessen niemals zurückgezahlt werden kann. Gefordert wird nun, dass die Bundesrepublik Deutschland auf einen Teil des Geldes verzichtet und Simbabwe dieses in einen unabhängigen Fonds für die Förderung von Frauen- und Gesundheitsprogrammen einzahlt. Die Programme werden zusammen mit Organisationen der simbabwischen Zivilgesellschaft ausgewählt und umgesetzt.

„Steh auf und geh!“ Der Gelähmte in der biblischen Geschichte hat sich wohl längst aufgegeben und in seiner Rolle des Übersehenen eingerichtet. So weit sind die Frauen in Simbabwe noch nicht.

 

Info

1812 ruft die Baptistin Mary Webb in den USA zu einem monatlichen Gebetstag der Frauen auf. Zum ersten Mal beten Frauen miteinander öffentlich. Die Idee breitet sich aus, 1897 gibt es in den USA den ersten interkonfessionellen Gebetstag der Frauen, 1927 sind schon weltweit Frauen dabei, ein Jahr später kommt die Idee nach Deutschland. Seit 1969 hat der Tag ein festes Datum: jeweils den ersten Freitag im März.

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