Gott setzt einen Anfang

Gedanken zu Joh 1,1-5.9-14

Gott ist ewig, daher können wir in seiner Gegenwart immer wieder anfangen und den ersten Pinselstrich setzen. Foto: cydonna/photocase.de

 

Gott, der ohne Anfang ist, schenkt uns aus Liebe immer wieder die Chance eines neuen Anfangs.

„Weißt du noch, wie damals alles angefangen hat …?“ Liebe Leserinnen und Leser, so beginnt häufig der Satz, wenn wir über ein Ereignis sprechen, dessen Anfang sich besonders tief in unser Herz eingeprägt hat. Vielleicht die erste Begegnung mit einem guten Freund oder einer guten Freundin. Aber es gibt auch Kleinigkeiten, die wir nicht vergessen. Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut daran, wie ich einige Tage nach meiner Einschulung meinen Schulranzen in der Schule vergessen habe. Ich habe fürchterlich geweint.

Anfänge haben oft etwas Unvergessliches und etwas Geheimnisvolles. Und oft fangen wir irgendwelche Dinge an, die wir dann aber nicht zu Ende führen. Dreimal war ich als Kind beim Klarinettenunterricht, danach hatte ich keine Luft und keine Lust mehr. Unser Leben besteht aus nicht durchgehaltenen Anfängen. Sie haben bestimmt auch ein Beispiel dafür. Die Neuanfänge, die wir am Silvesterabend geschworen haben, sind noch recht frisch. Der eine oder andere Vorsatz ist aber vielleicht auch schon wieder verworfen worden. Aller Anfang fällt uns, sprichwörtlich, schwer.

Bei Gott aber ist das völlig anders. Bei Gott gibt es weder Anfang noch Ende. Gott wäre nun mal nicht Gott, wenn er erschaffen worden wäre. Und deshalb ist es wichtig, dass wir sehr genau auf den Anfang des heutigen Evangeliums schauen. Dort heißt es nämlich: „Im Anfang war das Wort …“ und nicht: „Am Anfang war das Wort …“ Und dieses Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Jesus Christus, unser Bruder und Herr. Und auch wenn wir in diesen Tagen den Anfang des Lebens Jesu mit der Geburt in der Krippe von Betlehem feiern, so hat Jesus als Gott dennoch keinen Anfang. Der Sohn geht von aller Ewigkeit aus dem Vater hervor. In Gott selbst gibt es also keine Anfänge. Aber dennoch können wir sagen, dass Gott etwas angefangen hat. Im Evangelientext heißt es: „Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“ (Joh 1,3)

Die Welt, in der wir leben, ist aus diesem Wort hervorgegangen. Gott setzt einen Anfang. Und diese göttlichen Anfänge sind so ganz anders als die menschlichen Anfänge. Gott steht nämlich zu seinen Anfängen. Er steht zu seiner Schöpfung. Er steht zu uns Menschen. Er steht zu uns auch dann, wenn wir das mit unseren Anfängen nicht so gut hinbekommen; wenn wir mal wieder das Gute unterlassen und Böses tun. Auch dann lässt Gott uns nicht fallen. Für Gott gibt es an Silvester keine neuen Vorsätze. Er führt den Plan fort, den er mit uns Menschen hat. Gott ist und bleibt der ewig Gerechte. Dieser unfassbare und unendliche Gott gibt sich selbst ei­nen Anfang in Jesus Christus. Das Wort ist Fleisch geworden. Ein Anfang, der so geheimnisvoll ist, dass die Christen in früheren Generationen an ihre Brust geschlagen haben, ja in die Knie gesunken sind, als sie diese Worte aussprachen.

Auch wenn wir in den nächsten Tagen die Krippe und die Weihnachtskugeln auf den Dachboden wegpacken, gibt es doch etwas, das bleibt. Nämlich dass Gott uns anspricht in Jesus Christus. Gott, der von Anfang an war und ist und bleibt, gibt uns im wahrsten Sinne des Wortes „sein Wort“. Ein Wort, das Bestand hat und das für uns zum Wort des Lebens werden möchte.

Markus Püttmann

Der Autor ist Vikar im Pastoralverbund Siegen-Mitte und Mitarbeiter in der Leitung des K³ – der City Pastoral in der Siegener Innenstadt und in der Kath. Hochschulgemeinde der Universität Siegen.

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