Geheimnisvoller Ausblick auf das danach

Leiden und Auferstehung gehören zusammen

Was ist das, was vor einem liegt? Immerhin, es ist farbig. Foto: IgorShubin/Pixabay

 

Auf ihrem Weg mit Jesus sollen die Jünger verstehen lernen, wer er ist. Kurz vor der Verklärung hatte Petrus das Bekenntnis abgelegt, dass Jesus für ihn der Messias ist, worauf Jesus von seinem Leiden und von seiner Auferstehung gesprochen hat und die Jünger aufforderte, ihm auf diesem Weg zu folgen (Mt16,13–28). Leiden und Auferstehung müssen gemeinsam bedacht werden, um zu verstehen, wer Jesus ist. Wenn Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mit auf den Berg der Verklärung nimmt, sind es dieselben Jünger, die ihn auch in den Garten Gethsemane begleiten werden (Mt26,37). 

von Christian Städter

Die Verklärung gibt einen geheimnisvollen Ausblick auf das, was nach dem Leiden kommen wird. Matthäus schildert die Verklärung in endzeitlichen Bildern, die zugleich zurückgreifen auf die Bilderwelt des Alten Bundes.

Jesus wird vor den Augen der drei Jünger verwandelt. Er selbst scheint zur Lichtquelle zu werden. Im Buch der Offenbarung des Johannes zeichnet der Autor seine endzeitliche Vision in ganz ähnlichen Farben: Das Gesicht der geheimnisvollen Person, die zu ihm spricht, „leuchtete wie die machtvoll strahlende Sonne“ (Offb1,16). Ein weißes Gewand, wie Jesus es bei der Verklärung trägt, wird dem Leser des Matthäusevangeliums noch einmal begegnen, wenn ein Engel den Frauen am leeren Grab die Botschaft von der Auferstehung verkünden wird (Mt28,3). Das leuchtende Weiß, das alles überstrahlt, weist die himmlische Sphäre aus.

Mose und Elija, mit denen Jesus spricht, repräsentieren den Alten Bund. Auch sie stehen dafür, dass die Jünger einen Blick in die himmlische Sphäre erhaschen, denn Mose und Elija sind zur Zeit Jesu auf Erden nicht mehr zu sehen.

Gott spricht

Als dann eine Stimme erschallt, überschattet eine Wolke die Szene. Schon auf dem Berg Sinai, auf den Mose stieg, war die Herrlichkeit Gottes von einer Wolke umgeben (Ex24,15–18). So ist den Jüngern gleich klar, dass es Gott selbst ist, der hier spricht.

Am Sinai hatte Gott Zehn Gebote offenbart, die der Beziehung zwischen Gott und dem Volk Israel Bestand geben sollten. Nun auf dem Berg der Verklärung offenbart Gott ein einziges Gebot: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören“ (Mt17,5). Die Beziehung zwischen Gott und den Jüngern– und denen, die nach ihnen Jesus nachfolgen werden– erhält ihren Bestand durch das Hören auf Jesus, den Messias, der Gottes geliebter Sohn ist. Die Aufforderung der Stimme aus der Wolke wird für die Jünger zum Wesen ihrer Berufung: Der Jünger ist der, der auf den von Gott geliebten Sohn hört. Die Zeit von Mose und Elija wird fortgeschrieben, das Hören auf den Sohn tritt an die Stelle von Gesetz und Propheten.

Das, was Petrus, Jakobus und Johannes in der mystischen Erfahrung der Verklärung gesehen haben, gilt nicht für die unmittelbar vor ihnen liegende Zeit, denn sie müssen Jesus zunächst auf seinem Leidensweg folgen. Aber es gilt für die österliche Zukunft, in der Jesus in seiner Auferstehung den Tod und alles Leid besiegen wird. Beides, Leiden und Auferstehung, lässt die Jünger langsam verstehen, wer Jesus ist.

 

Info

Berg

Berge gibt es in Palästina viele, denn es ist ein hügeliges Land. Berge sind in den biblischen Erzählungen Orte der besonderen Gottesnähe und oft auch Orte der Entscheidung: Am Berg Sinai, der auch Horeb genannt wird, übergibt Gott Mose die Zehn Gebote und schließt mit seinem Volk den Bund (Ex19f.). Mose stirbt auf dem Berg Nebo (Dtn34). Auf dem Berg Karmel kämpft der Prophet Elija mit den Propheten des Baal (1Kön18). Auf Bergen werden Kultstätten errichtet. Als zentrale Kultstätte wird der Tempel auf dem Berg Zion in der Stadt Jerusalem erbaut. Jesus sucht Berge auf, um zu predigen und um im Gebet seinem Vater nahe zu sein. Auf einem Berg wird er verklärt und auf dem Ölberg vor den Stadttoren Jerusalems betet er die letzte Nacht vor seinem Tod.

Christian Städter studierte Theologie und Psychologie in Rom und ist Priester des Erzbistums Paderborn. Er arbeitet zurzeit in der Priesterausbildung.

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