Erste Hilfe für die Seele

Lichtmess-Feier blickt auf 25 Jahre ökumenische Notfallseelsorge zurück

Bei der Lichtmess-Feier informierten der leitende Notfallseelsorger Pfarrer Meinhard Elmer (links) und Pfarrer Hendrik Münz (5.von links) Propst Andreas Coersmeier (rechts) sowie Ehrenamtler. Foto: Pohl

 

Dortmund. Herz, Empathie, innere Ruhe und nicht zuletzt Vertrauen auf Gottes Hilfe– das sind die wichtigsten Eigenschaften eines Notfallseelsorgers. Denn Menschen sind nach plötzlichen Todesfällen von Angehörigen und Freunden oft an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Kirche kümmert sich– haupt- und ehrenamtliche Notfallseelsorger sind Tag und Nacht in Bereitschaft, um Trauernden Erste Hilfe für die Seele zu leisten. Die diesjährige Lichtmess-Feier im voll besetzten großen Saal des Katholischen Centrums im Propsteihof würdigte zum 25-jährigen Bestehen der ökumenischen Notfallseelsorge in Dortmund ihre nicht jedem bekannte, aber so wichtige Arbeit.

von Stefan Pohl

„Gib mir die richtigen Worte“: Dieser gemeinsame Ruf in der Eucharistiefeier in der Propsteikirche machte deutlich, worum es geht bei „Seelsorge im Angesicht eines Todes, der das Leben jäh unterbricht“, wie es Pfarrer Meinhard Elmer ausdrückte, gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Hendrik Münz leitender Notfallseelsorger in Dortmund. Beide zelebrierten auch die heilige Messe. Zum Team gehören zudem rund 50 Ehrenamtliche, die nach Elmers Wort „Tag und Nacht bereit sein müssen, sich rufen zu lassen, wenn Menschen in Not sind“.

Erst einmal Kontakt aufnehmen

Und das ist nur selten eine leichte Aufgabe, wie die sechs ehrenamtlichen Notfallseelsorger berichteten, die stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen in den Propsteihof gekommen waren. „Man bekommt eine SMS, weiß selbst nichts Genaues, der Notarzt ist vielleicht noch da und viele Unbekannte und man muss erst einmal den Menschen finden, der Hilfe braucht“, sagt eine Ehrenamtliche. Dann gilt es, in Kontakt zu kommen: „Man drückt sein Beileid aus, reicht Taschentücher. Manchmal bricht dann schon das Eis, die Menschen öffnen sich, die Tränen werden weniger, eigene Ressourcen geweckt.“ Im Idealfall denken die Trauernden bald wieder strukturiert, etwa, was als nächstes zu erledigen ist.

Aber bis dahin ist es ein mühsamer Weg, oft mit belastendem Schweigen verbunden. Zuweilen stoßen die Helfer an ihre eigenen Grenzen, wie die Anwesenden berichteten. Etwa beim plötzlichen Tod eines Säuglings oder wenn kleine Kinder Waisen seien, wenn Aggression oder gar Gewalt im Spiel sei oder Tote sehr lange in ihrer Wohnung gelegen hätten. Gefragt sei nicht Mitleid, sondern Empathie. Und dabei bedient die ökumenische Notfallseelsorge, entstanden aus dem Wunsch der Feuerwehren nach Entlastung, auch „spirituelle Bedürfnisse der Menschen“, wie es Pfarrer Münz ausdrückt. „Sie bringt Gott und die christliche Kirche in das Gespräch mit den Trauernden.“ Und ermöglicht eine Ahnung, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Oft habe er als Reaktion erlebt, sie würden ihre Meinung zur Kirche jetzt überdenken.

„Hauptamtliche sind dankbar“

Die Ehrenamtler bestätigen das. „Ich spüre oft ein Aufatmen, wenn die Menschen merken, ich bin kein Geistlicher“, sagt einer. „Wenn wir anbieten, gemeinsam für den Verstorbenen zu beten, kommt oft ein Gespräch zustande“, so ein anderer. Ein Vaterunser werde auch mitgebetet, wenn sonst wenig christlicher Bezug vorhanden sei. Diese Akzeptanz sei auch in muslimischen Familien vorhanden.

Hilfsangebote bei Trauer sind in Deutschland nicht so weit entwickelt wie in anderen Ländern. Kirchliche Träger haben zu kämpfen. Die Notfallseelsorge in Dortmund gilt als vergleichsweise gut aufgestellt. Aber auch sie steht und fällt angesichts des Priestermangels mit dem Engagement der Ehrenamtlichen. Immer weniger seien dazu bereit, sagt Meinhard Elmer. In der ehrenamtlichen Mitarbeit liege die größte Chance, dass Notfallseelsorge zukunftsfähig sei. „Und die Hauptamtlichen sind dankbar dafür.“

 

 

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