Erfolge, die wirklich zählen

Der Ökumenische Treff hat Bad Lippspringe verändert – und ist durch den eigenen Erfolg gefährdet

Einladung zum Gespräch: Das Ladenlokal des Ökumenischen Treffs ist hell und freundlich und sechs Tage in der Woche besetzt. (Foto von links: Claudia Rupp, Marianne Hesse, Angelika Böhm, Paul Kretschmer, Monika Stappert und Christel Schuchardt).Foto: Karl-Martin Flüter

 

Bad Lippspringe. Auch in den dunklen Wintermonaten lädt in der Bad Lippspringer Fußgängerzone immer ein helles Licht Passanten und Kurgäste ein. Der „Ökumenische Treff Bad Lippspringe“ ist seit mehr als 20 Jahren eine feste Anlaufstelle in der Kurstadt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus beiden Kirchen haben Bad Lippspringe verändert, auch, weil sie die Zusammenarbeit der Konfessionen und das Engagement für einen Fairen Handel miteinander verbunden haben. Doch ein wenig sind sie Opfer ihres eigenen Erfolges geworden.

„Ökumene ist in Bad Lippspringe kein Thema mehr“, sagt Paul Kretschmer. Er meint das positiv: Die Zusammenarbeit der Konfessionen ist in Bad Lippspringe so sehr Alltag geworden, dass niemand mehr darüber redet. Am Anfang dieser Entwicklung standen die Bad Lippspringer, die sich 1999 zum Ökumenischen Treff zusammenfanden. Aus dieser „Urzelle“ des ökumenischen Gedankens entwickelten sich so bekannte Projekte wie das „Gebet der Religionen“ oder der überregional bekannt gewordene „GlaubensGarten“, der seit der Landesgartenschau die Menschen im Kurpark anzieht.

Die Frauen beider Konfessionen feiern zusammen Karneval. Sie haben dafür sogar ein neues Wort erfunden: „KLÖN Karneval Lippspringe der ökumenischen Narren“. Es gibt ökumenische Frauen-Bibel-Gespräche und „LeDo Der letzte Donnerstag“, einen Treff für Frauen über 50, die über Gesellschaft und Kirche reden. 

Als im Frühjahr 1999 der Verein „Ökumenischer Treff/ Eine Welt“ entstand, gab es bereits eine jährliche ökumenische Bibelwoche. „Aber das war uns zu wenig Gemeinsamkeit“, erinnert sich Marianne Hesse. Der neue Verein fand mit den Räumen an der Arminiusstraße22a eine feste Bleibe, die zum Stadtfest 1999 bezogen werden konnte. Seitdem ist dieser Ort in der Bad Lippspringer Innenstadt ein fester Anlaufpunkt für viele Menschen geworden.

Vorbild machte Schule

In den Anfangsjahren mussten Bad Lippspringer, die fair gehandelte Ware kaufen wollten, in die Arminiusstraße kommen, weil es nur dort dieses Angebot gab: Kaffee, Süßigkeiten, Tücher und Kleidung oder Einrichtungsgegenstände. Alles zu fairen Bedingungen produziert. Auch hier hatten die Aktivistinnen und Aktivisten der ersten Stunde mehr Erfolg, als sie damals wahrscheinlich erhofft hatten, denn ihr Vorbild machte Schule. Heute bieten auch Supermärkte ein großes Sortiment fair produzierter Waren an. Die Stadt Bad Lippspringe hat sogar einen „Fair-Trade-Arbeitskreis“ eingerichtet, in dem auch Vertreter des Ökumenischen Treffs sitzen.

Weil das Logo „Fair“ heutzutage überall zu finden ist, hat die Kundennachfrage im Ökumenischen Treff nachgelassen. Dennoch kommen immer noch viele Besucher einfach so vorbei. Vor einigen Jahren stellten die Mitarbeiterinnen ein Schild in die Fußgängerzone. Der Text, „Wir haben Zeit für Sie“, sprach viele Menschen an, die durch die Arminiusstraße bummeln. Das ist so geblieben. Oft sind es Kurgäste oder Senioren, die Gesprächspartner suchen, und auf einen Tee in den Treff kommen. „Jeder ist eingeladen“, sagt Monika Stappert, „kaufen muss bei uns niemand etwas.“

So ist der Ökumenische Treff ein wirklicher Treffpunkt für Menschen in Bad Lippspringe geworden. Das gilt übrigens auch für die Mitarbeiterinnen meist sind es Frauen und Mitarbeiter, die sicherstellen, dass das Ladenlokal täglich geöffnet werden kann. Der Verein zählt immer noch 65 Mitglieder. Unter ihnen sind viele Freundschaften entstanden: Man kennt sich und teilt dieselben Interessen.

Treffpunkt für Menschen

Dennoch gibt es Grund zur Sorge, denn es fehlen junge Menschen, die nachrücken. „Das stagniert leider“, bedauert die Vorsitzende Christel Schuchardt. Natürlich macht man sich im Verein Gedanken, woran das liegt und wie das Problem zu beheben wäre. „Die Frauen arbeiten heute alle und haben weniger Zeit“, vermutet Angelika Böhm, die vor vier Jahren zum Team gestoßen ist, als sie Ruheständlerin wurde und diese Entscheidung bis heute nicht bereut hat.

Es gibt weitere Gründe für diese Flaute, etwa das allgemein schwindende Interesse am Ehrenamt. Vor Kurzem hat der Ökumenische Treff mit der Gesamtschule in Bad Lippspringe bei einem Fair-Trade-Projekt zusammengearbeitet. Das hat Spaß gemacht, aber eine kontinuierliche Kooperation hat sich daraus nicht entwickelt. Ein wenig kann man Resignation spüren, wenn man mit ehrenamtlichen Mitarbeitern redet. „Es gibt Bad Lippspringer, die uns auch nach 20 Jahren noch nicht kennen“, regt sich Marianne Hesse ein wenig auf.

Kinder gehen zur Schule

Dass ihre Arbeit wirksam ist, wissen die Frauen und Männer vom Ökumenischen Treff aber auch so. Das Dorf in Mexiko, aus dem sie ihren Tatico-Kaffee und -Espresso beziehen, hat sich binnen weniger Jahre sehr verändert: Die Kinder arbeiten nicht mehr, sondern besuchen die Schule, die Arbeit hat sich professionalisiert und vor Kurzem ist die erste Tochter eines heimischen Kaffeezüchters selber Lehrerin geworden– ein beispiellos rascher Aufstieg.

Ähnlich ist es beim Lieferanten „El Puente“, mit dem die Bad Lippspringer zusammenarbeiten. Die Frauen, die für „El Puente“ arbeiten, können ihre Familien versorgen und sind selbstständiger geworden. Das sind Erfolge, die wirklich zählen, und darauf sind die Mitglieder vom Ökumenischen Treff in Bad Lippspringe mit Recht stolz.

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